Mal Criado – Ni Todo La Tierra Entera
Mal Criado mögen – zumindest dem Namen nach – schlechte Manieren haben, aber eben auch die richtigen Vorbilder – wie Ni Todo La Tierra Entera, das Debütalbum der Band aus Vancouver, beweist.
Zegema Beach empfehlen da als erziehungsberechtigte Label-Heimat zutreffenderweise unter anderem Despise You, Los Crudos, World Peace, Jenny Piccolo oder Noose Sweat als Referenzen, hinter deren Prägung Ni Todo La Tierra Entera den Powerviolence mit harsch fetzender Attitüde, schneidenden Gitarren und viel Punch zeigenden Drums im dreckigen Soundgewand zu einem stilistischen Fleischwolf macht.
(Was übrigens auch in gewisser Hinsicht auf die Erscheinungsform der Platte zutrifft. Dass die Songs je nach Konsum-Plattform in ihren Wendungen besonders unberechenbar – und phasenweise durch ein Ab- und Aufblenden auch etwas erzwungen – scheinen mögen, hat nämlich den Grund, dass die grundlegend 13 Nummern umspannende Tracklist auf allen Streamingportalen zu 6 Stücken – bei derselben Gesamtspielzeit von rasenden 10 Minuten – zusammengefasst wurde. Dazu kommt der prophylaktische Sprachenwechsel für Oy, Ir Narishe Tsionistn alias Oh, You Stupid Zionists.)
Das Doppel aus Cada Dia und Los Desaparecidos revidiert sich jedenfalls für eine groovende Ausrichtung, bei der das Riff und der Sound zum hässlichen Death tendierenden darf. Sangre und Good Men gehen direkt in die Nackenmuskulatur, blasten und wechseln Tempo wie Dynamik. Die Produktion ist assig und roh, die Ästhetik herrlich giftig.
Mal Criado fetzen mit dieser Inszenierung von Heig Khatcherian und Will Kill auf ihrem Einstand mal rockender und dreschen als fauchender Derwisch zum (den mitunter shakenden Twist auspackenden) Grindcore, dann tackern sie gegebenfalls zum bestialischen Emoviolence. PTSD rast sludgiger als metallischer Hardcore und in Enemy schauen die alten Split-Kumpels von Suffer Unseen für eine brutale Heaviness mit ordentlich Brennstoff im Tank vorbei, bevor Ancestros das wirbelsturmartige, wütend-atemlose Wesen der Platte beibehält, sich zum Ausklang aber nochmal eine besonders zähe Masse Hass abringt.
Vor Originalität sprühend ist Ni Todo La Tierra Entera dann zwar noch immer nicht. Muss es aber auch nicht. Mit welcher rohen, archaischen und instinktiven Energie die Band im Eklektizismus austickt, erzeugt einen atemlosen Rausch, der die Newcomern aus dem Stand heraus zu einem potenten Szene-Versprechen macht.


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