Marilyn Manson – One Assassination Under God – Chapter 2

von am 30. August 2026 in Album

Marilyn Manson – One Assassination Under God – Chapter 2

Es sagt leider viel über die grundlegende Qualität des dreizehnten Studioalbums von Marilyn Manson aus, dass eine frühere B-Seite zu einem Flaggschiff von One Assassination Under God – Chapter 2 geworden ist.

So attackierend die Raise the Red Flag-Beigabe Front Toward Enemy mit ihrem peitschenden Riff losbricht, den Nu Metal-Aspekt im Trademark-Goth-Industrial Rock von Brian Warner betont, und sich simpel gestrickt auf den Kontrast aus bemüht harter Fight-Breitseite und Zurückgezogenheit verlässt, ist dann eigentlich fast schon aus dem Rahmen fallend (und dennoch primär alleine aufgrund seiner Attitüde hängen bleibend), mehr noch aber aber gar nicht repräsentativ für die Platte an sich.
Das nach The Pale Emperor (2015), Heaven Upside Down (2017) und Chapter 1 (2024) neuerlich von (dem mittlerweile aus der Manson-Liveband ausgestiegenen) Tyler Bates betreute Allbum geht die Sache (mit Ausnahme der zweiten, ebenfalls griffiger auf die Gitarrenarbeit fixierte und enger als der Rest gezogene Exit Wound) in Summe nämlich weitaus gediegener und unaufgeregter an, als diese zweite Vorabsingle.

Mit Manson in der bisweilen arg ausgelutschten lyrischen Opferrolle, konsumfreundlichen Effekten auf der Stimme und enervierend oft wiederholten Textzeilen als Ausgleich für das Fehlen wirklich starker Hooks, ist One Assassination Under God – Chapter 2 musikalisch stattdessen ein leicht zu verdauendes Sammelsurium aus rundum soliden Standards ohne allzu aggressiv Ausrichtung geworden.
Was für einen unterwältigenden Erstkontakt sorgen kann, aber gar nicht unbedingt das Problem einer mit Fortdauer besser funktionierenden Platte ist. Gravierender ist, dass Bates das ohnedies schon unscheinbare Material so dermaßen harmlos für das alternative Mainstream-Formatradio domestiziert hat.

Gleich das unheilvoll und düster flanierende Unalive schaltet so atmosphärisch in den Autopilot, mag der Opener im Chorus auch seine Krallen ausfahrend stoischer auf den Hinterbeinen stampfen. Die Klammer mit dem bedeutungsschwer auf der Depeche Mode-Klaviatur schleichenden, melodramatisch angelegt mit seinem beliebigen Chorus unterwältigenden Closer Enantiomorph wird zwar dennoch zu den besten Passagen des Albums gehören. Allerdings bleibt der Eindruck, dass sich da mehr aus dem Material herausprovozieren hätte lassen.

Ein Don’t Answer the Door bleibt nach seiner Frozen-Einleitung mit austauschbarem 08/15-Songwriting, risikofreien Arrangements und einem Wohlfühlzonen-Sound par excellence exemplarisch noch blasser als das entspannter zum Darkwave und Synthpop relaxende All the Vilest Things mit seinen Acoustic-Schattierungen. None of the Suns macht erst mit mehr postpunkigem Groove neugierig, bleibt dann aber trotz eines catchy Singalong-Chorus vor allem gefällig, und ist letztlich wie das einen ebenso netten Refrain bietende, aber enorm plakativ daherkommende You Can’t Die Young einfach zu egal.

Lucifer’s Teardrop joggt mit zu wenig Biss und das schwerer angelegte The Arsonist kann sein Gewicht nicht umsetzen. Sicher: Nach und nach geht alles gut ins Ohr, routiniert und mit einer gewissen Art Understatement. Doch wo Assassination Under God – Chapter 2 ästhetisch einnimmt und nebenbei begleitet, lässt es emotional relativ kalt.
Mögen die Zutaten insofern auch grundlegend stimmen und die bisweilen melancholischere Substanz zumindest die loyale Fanbasis sicherlich überzeugen können, gelingt es One Assassination Under God – Chapter 2 nicht, sein Potential durch die nötige kreative Reibung freizusetzen. Das Gesamtergebnis wirkt (auch in Sachen Tracklist) unausgegoren und alleine durch Front Toward Enemy selbst in seiner Beiläufigkeit inkonsequent ziellos. Was die versammelten 43 (bzw. 47) Minuten zwar groteskerweise zu keinem schlechten, sehr wohl aber einem enttäuschenden und phasenweise auch unverdient langweiligen Album machen.

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