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Melt Downer – III

Eigentlich sollte man nach dem selbstbetitelten 2017er-Debüt und Alter The Stunt von 2018 wirklich längst darauf vorbereitet sein, dass Melt Downer den Noiserock beherrschen, wie nur wenige in ihrem Business. Trotzdem überrascht es via III dann doch nochmal aufs neue, wie verdammt gut diese Band doch ist.

Warum Melt Downer es selbst bei vorbereiteter Lauerstellung auch im dritten Anlauf ohne gravierende Charakteränderungen schaffen, dem Hörer die Augenbrauen nach oben und ein feistes Grinsen ins verschwitzte Gesicht zu zaubern, zeigt sich spätestens nach dem eröffnenden Piece (das als die Auslage wechselnder Bastard in der Schnittmenge aus Metz und Sonic Youth mit seinem stakkatohaften Vortrag teilweise fast schon ein Paralleluniversum auftut, in dem Fred Durst eine dreckige Hardcore-Kapelle anstatt Limp Bizkit gegründet zu haben scheint. Naja, irgendwie halt.).
Dann nämlich hat das Trio aus der sehr guten Single Gross White aus dem Vorjahr ein grandioses Teilstück wachsen lassen, das wie das bestmögliche polternde und grummelnde Fugazi-Methadonprogramm beginnt, sich im Refrain dazu entscheidet, auf den eigenen (frühen) Trail of Dead abzubiegen und später noch in die psychedelisch-diffuse Seitenlange abzutauchen.

Ein optimaler Indikator für eine vielleicht eine Spur zu eklektisch anstatt originär ausgelegte Platte auf durchgehend hohem Niveau (und höchstens ohne den einen Übersong, der alles auf den nächsten Level geschleudert hätte), auf der (bis auf das zu zerschossen mäandernde Gothic Fiction) Songwriting und Ästhetik so kratzbürstig wie catchy sitzen, und die Dynamiken trotz der Homogenität auch daraus gezogen werden, wie sich Kontraste aneinander reiben.

Wo Dye Out besonders versifften Indierock mit dystopischer Postpunk-Kante hofiert, provoziert The Corporate Idendity etwa ein Kräftemessen aus Doom und Grunge, dessen Stop-and-Go-Muster eine nackenbrechende ausdauernde Konsequenz an den Tag legt. Earth 2 ist dagegen ein sägender Tritt aufs Gaspedal, wohingegen Minimal nach einer kurzen Finte wunderbar hibbelig-zappelnd im brutzelnden 90er-Morast der Jam-Psychedelik groovt.
Dass III damit ausfranst führt übrigens zur eindrucksvollsten Phase, weil Kind zum frickelnden Schlagzeug, technoiden Loops und Effekten skandiert, dann aber in den düsteren Drone-Ambient abtaucht, dessen halluzinogene Imagination gefühlt ewig – und nicht nur insgesamt 12 Minuten – weitergehen hätte können.
Das erwischt zwar irgendwo erst auf dem falschen Fuß, erteilt aber auch die Lektion, dass man sich für Album Nummer 4 eigentlich doch einfach merken könnte, dass Melt Downer jede Schlagdistanz beherrschen. Aber jede Wette: Die Band wird einen auch dann wieder überraschen.

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