Musik in der Weihnachtszeit

von am 21. Dezember 2013 in Featured, Zwangsbeschallung

Musik in der Weihnachtszeit

Der Duft von Keksen, dem Weihnachtsbaum oder Weihrauch; der Schnee und Temperaturen, die dazu einladen sich in sehr viel Wolle einzuhüllen oder gleich gar nicht das Haus zu verlassen und es sich bei einem Tee gemütlich zu machen, anstelle des Weihnachtsgeschenkemarathonstress‘. Weihnachten könnte ja so wunderschön sein – wäre da nicht die Weihnachtslied-Dauerbeschallung ab Mitte November. Egal, ob im Supermarkt, bei Glühweinständen, Fernsehen, Radiosendern – Flucht ist unmöglich. Besonders tragisch daran: Jahr für Jahr dieselben schlechten Lieder!

Es gibt aber durchaus auch hörbare Weihnachtsstücke in dieser Zeit, die man für die gewisse Stimmung beim Backen oder Geschenke Einpacken beziehungsweise spätestens zum Schmücken des Christbaumes einsetzen kann. Diese, logischerweise vom individuellen Geschmack abhängige Musik, wird mit Sicherheit nur im seltensten Fall im Radio für einen gespielt, deswegen empfiehlt es sich für diese besonderen Anlässe eine eigene Zusammenstellung vorzunehmen um sich nicht über die tausendste Einspielung von ‚Last Christmas‚ ärgern zu müssen. Selbst weiß man doch am besten, welche Musik diese Stimmung und vor allem die eigene Person verträgt.

Was auf meiner Liste von richtiger Weihnachtsmusik ganz weit oben steht und beinahe jedes Jahr zum Einsatz kommt, ist Bob Dylans Weihnachtsalbum ‚Christmas in the Heart‚, auf dem der Altmeister bekannte Weihnachtssongs auf seine eigene Art interpretiert. Mit seinem Erscheinen 2009 wurde das Weihnachtsfest mit der Familie um einiges erleichtert. Vor allem um die Qualen des Gesangs: Sonst wurde selbst gesungen, ab sofort gab es nun Dylan. Dies verbessert jetzt die Qualität des Gesanges nicht unbedingt, würden Kritiker meinen, aber zerstört wenigstens (meiner Meinung nach) nicht die Stimmung. Ganz im Gegenteil: der ironische Zugang (eine Legende, mit einzigartiger Stimme und Schreibqualitäten, die einige Menschen mit einem Literaturnobelpreis belohnt sehen wollen COVERT die typischen 0815-Lieder in extrem kitschiger Manier), die kratzige Spät-Dylan’sche Stimme und die Option diese Lieder auch voller Inbrunst und Weihnachtsernst mitzusingen,  versüßen meine Weihnachten seit der Veröffentlichung jedes Jahr.

Ganz angenehm und empfehlenswert als weniger offensichtliche, typische Weihnachtsbeschallung (zumindest teilweise) wäre auch das ‚The Christmas Album‚ von Jethro Tull. Viel dazu kann ich nicht sagen, wer Jethro Tull kennt, weiß, was einen erwartet: Flöten-geprägter Musikmix aus Rock, Folk und klassischer Musik. Diesem Stil wurde 2003 mit dem oben genannten Album, das aus „neuem“ Material wie Neueinspielungen alter Songs, die zum Thema passen, besteht, Weihnachten eingehaucht (sprich alte Songs wurden zum Beispiel mit Akustischer Gitarre eingespielt, mit Glocken unterlegt usw.).

Es gibt aber auch unter den Radio-Christmas-Evergreens einzelne Nummern, die für mich zumindest einmal in dieser Zeit gehört werden müssen wie etwa Jona Lewie mit ‚Stop The Cavalry‚.  Eigentlich als Protestsong geschrieben, wurde dieser aber bald (und vor allem nach der Neueinspielung)  ein typischer Weihnachtssong, was durch die Zeile „Wish I was at home for Christmas“ neben dem Brass-Arrangement, das sehr passend schien, legitimiert wird. Aber Autor- beziehungsweise Künstlerintention und Rezeption ist ja nicht das Thema dieses Textes. So oder so ist es einer meiner liebsten Weihnachtssongs, von denen, die in dieser Zeit des Jahres unumgänglich scheinen. Bei mir läuft es mehr nach dem Motto: Wenn schon ein plakativer, dann dieser… Oder (um die Chance zu nützen und auch in der 90er-Jahre-Kiste zu wühlen): Tom Petty and the Heartbreakers ‚Christmas All Over Again‚, das neben den anderen Beschriebenen nur wieder bestätigt, das ich auch bei Weihnachtsmusik nicht wirklich auf meine bewährten Interpreten verzichten möchte oder kann. Deswegen lasse ich jetzt auch John Lennons ‚Happy X-Mas‚ weg, würde dem Ganzen sonst nur noch die Krone aufsetzen.

Zu guter Letzt noch ein Tipp für diejenigen, welche ein besinnliches Fest dem üblichen Trubel (samt Ironie oder Kitsch) vorziehen: Benjamin Brittens ‚Ceremony of Carols‚, ein Chorstück, das der Komponist 1942 für Weihnachten (wie oben erwähnt ist das bei typischen Weihnachtsliedern nicht immer der Fall) schrieb und welches außer – no-na-net – durch den Chor durch die Harfen- oder Klavierbegleitung besticht. Die Texte bestehen aus Exzerpten des editierten „The English Galaxy of Shorter Poems“ und sind in Mittelenglisch gehalten. Aber ohne noch mehr Worte auf etwas zu verschwenden, dass man (ober besser gesagt ich) nicht beschreiben kann, sollte nur noch angemerkt werden, dass es wunderschön ist. Besinnlich genauso wie mitreißend, besonders eindrucksvoll (nach meinem Empfinden) bei Präsentation durch einen großen Chor, da dadurch der Kanon und sein Spiegeln der Harfenähnlichen Effekte am besten zur Geltung kommt.

Falls bei diesen Inputs nichts dabei gewesen sein sollte oder du erklärter Grinch bist, kann ich dich beruhigen: Der Advent, die Punschstände und die damit verbundene ‚All I Want For Christmas‚-Zwangsbeglückungszeit sind in wenigen Tagen wieder für ein Jahr Geschichte, aber bis dorthin: Halt‘ die Ohren steif und notfalls auch dicht (mit Oropax oder wahlweise auch Mützen).

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