Manchester Orchestra – Union Chapel (London, England)
Das vor knapp zweieinhalb Jahren aufgezeichnete Union Chapel (London, England) wirkt wie ein trauernder Epitaph für den im Februar 2026 verstorbenen Manchester Orchestra-Schlagzeuger Tim Very.
Jeweils rund eineinhalb Stunden spielten sich Andy Hull und Robert McDowell an drei Abenden Anfang Oktober 2023 in Duo-Besetzung durch 18 eigene Songs (neben dem unfassbar gut und nahtlos assimiliert in den sakral-andächtigen Rahmen passenden Frightened Rabbit-Cover My Backwards Walk) im reinen Acoustic-Gewand: ruhig und intim, reduziert und ätherisch entschleunigt, eindringlich und betörend schön.
Und mittlerweile eben auch unendlich traurig. Weil gefühlt jeder melancholische Augenblick durch den Abschied von Very und die allgemeine Vergänglichkeit zusätzlich aufgeladen – wie unweigerlich auch durch das Fehlen der Rhythmusabteilung bei den Kirchenkonzerten prophetisch verstärkt – wirkt.
Dann sind Zeilen wie „I’m not alone but it sure feels like someone left“ einfach emotional erschütternd, während alleine Bed Head noch nie derart pur und ergreifend zum Kern seines Wesens vordringend geklungen haben dürfte, wie im sanftmütigen Kontext von Union Chapel (London, England), das, ob der Veröffentlichung in der noch andauernden Trauerphase, unweigerlich wie ein aus der Vergangenheit gezogener Nachhall als Ausdruck des Verlustschmerzes wirkt.
Doch auch unter anderen Umständen würde Fans hier das Herz aufgehen.
Lässt man sich nämlich ganz auf die kontemplative Stimmung der soundtechnisch viel Nahbarkeit erzeugenden Platte ein, fällt es kaum ins Gewicht, dass in Summe ob der inszenatorischen Gleichförmigkeit hier und da ein bisschen die Spannung fehlt. Stattdessen ist es eher beeindruckend zu hören, dass die meisten Songs auf eine sparsame Essenz heruntergebrochen exzellent funktionieren. Überraschenderweise gilt dies vor allem für Simple Math, das den womöglich eklatantesten Umkehrschub zündet, auch ohne die opulente Dramatik seiner orchestralen Arrangements Gänsehaut erzeugt und – wie praktisch jeder Song hier – schlichtweg erhaben aufzeigt.


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