Social Distortion – Born to Kill
Man darf sich nicht von dem mit der gewohnten Band-Ästhetik brechenden Shepard Fairey-Artwork täuschen lassen: Mike Ness hat mit Born to Kill endlich wieder ein in nahezu jeder Hinsicht typisches Social Distortion –Album aufgenommen.
Was (selbst in einer immer schneller vergehenden Zeiten) gefühlt länger als 15 Jahre gedauert hat – Hard Times and Nursery Rhymes war aber eben eine äußerst enttäuschende und kaum nachhaltige Angelegenheit.
Nun aber knüpfen Ness und seine (selbst im kürzesten Fall auch schon über eineinhalb Dekaden beschäftige) Band – Gitarrist Jonny Wickersham, Bassist Brent Harding und dr erstmal im Studio anweswnde Schlagzeuger David Hidalgo Jr. – nach überstandener Krebserkrankung vom Titelsong-Opener weg relativ direkt an den White Light, White Heat, White Trash-Erbverwalter Sex, Love and Rock ’n‘ Roll an. Nicht nur stilistisch, sondern auch bis zu einem gewissen Grad qualitativ: Social Distortion haben neben dem Sound, der Attitüde und Mentalität diesmal wieder die nötigen Songs, um griffig rockendend so frisch und energiegeladen zupackenden.
Dass die beiden tollen Zuverlässigkeiten No Way Out und Don’t Keep Me Hanging On sogar auf Ideen aus dem Repertoire des 1996er-Meisterstück fußen, ist insofern schon symptomatisch.
Zwar theoretisch auch im negativen – weil Born to Kill sich nüchtern betrachtet nach absolutem Schema-F arbeitend den Signature Sound-Autopilot so überraschungsfrei wie innovationsresistent entlang wie immer etwas zu lang ausgefallener Songs bedient.
Praktisch aber wirkt sich dieses Traditionsbewusstsein umgekehrt proportional vor allem positiv aus: Born to Kill hat im Gegensatz zum direkten Vorgänger keine Totalausfälle zu vermelden (gut, das in der Bar so nölend schunkelnde Lucinda Williams-Duett Crazy Dreamer hätte es mit seiner auslaugend-nervend-repetitiven Hook nicht unbedingt gebraucht, auch wenn die Nummer zur Mitte der Platte den standardisierten MO etwas lockert), dafür aber eine starke Produktion, die von Dave Sardy kraftvoll und vielschichtig eingefangen wurde, ohne überfrachtet zu wirken. Obwohl beispielsweise immer wieder Harmonie-Gesänge in den zahlreichen Lagen (wie etwa beispielsweise in Tonight oder dem schönen Closer Over You) auftauchen, lässt die Inszenierung auch luftige Elemente und knackige Details zu, anstatt zugepflastert zu wirken.
Inhaltlich werden da jedwede Klischees zur zeitlosen Tugend, zumindest mit Fanbrille. The Way Things Were drosselt das Tempo in nostalgische Gefilde ohne die Sentimentalität zum Kitsch zu machen und suggeriert neben etwas Geklimper und Country-Einflüssen auch, dass sich die Fan-Massen von Oasis womöglich noch nie so einfach auf Social D einigen konnten. Selbiges gilt für Partners in Crime und seinen gemütlichen Zug nach vorne, die Tasten im Rock’n’Roll Suicide als Tribut an David Bowie drückend (nachdem Ness sich zuvor bereits vor Lou Reed und Iggy verneigt hat), wo Green Day und The Who als Assoziationen in die (punk)ROCK-Formel passen.
Songs wie Never Goin‘ Back Again sind einfach im besten Sinne gefällig, riskieren nichts, und machen auch ohne herausragende Größe praktisch alles richtig. Instant-Fanpleaser. Oder anders gesagt: Social Distortion gelingt diesmal auch der obligatorische Coversong routiniert-motiviert, mühelos, solide auf den Punkt findend. Obwohl Ness kaum eine abgedroschenere Wahl als Wicked Game hätte treffen können.


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