Natalie Imbruglia – Algorithm

von am 7. September 2026 in Album

Natalie Imbruglia – Algorithm

Natalie Imbruglia benennt den Nachfolger ihrer 2021er-Platte Firebird schlagwortpragmatisch und hat gefühlt auch wenig Zeit für das Artwork verschwendet. Dafür überzeugt das wirklich sehr okaye Algorithm auf inhaltlicher Ebene.

Bei jedem Song ihres siebten – in Eigenregie finanzierten – Studioalbums scheint die  Australierin auch als Co-Songwriterin in den Credits auf, hat sich bei den Kompositionen aber von Experten unter die Arme greifen lassen, die „from start to finish“ auch den Produktionsprozess zu Ende denken konnten: Firebird-Rückkehrer MyRiot etwa, aber auch Gary Lightbody und Ash Soan von Snow Patrol, Fraser T. Smith, Tobie Tripp, Mark Crew, David Sneddon, Anu Pillai, Dan Priddy oder Louis Rogove.
So kam es, dass Imbruglia die Entstehungszeit zwar „the most challenging time I’ve had with my mental health“ bezeichnet, aber auch davon spricht, bei der Erschaffung „by far the most fun I’ve ever had making a record“ gehabt zu haben.
Der primäre Wunsch der 51 jährigen („I hope people get as much joy from listening to this record as we did making it. And that they dance their arses off.„) könnte sich in dieser Auslage übrigens zumindest im Ansatz tatsächlich erfüllen: Algorithm transportiert eine befreiende Leichtigkeit und ist in einem milden Dunst aus Glücksgefühlen anstecken.

Vor allem hat es kaum Ausfälle zu beklagen. Zwar ist ausgerechnet der austauschbar pulsierende Titelsong besonders langweilig und generisch mit seiner banal-simplen Hook und elektronischen Effekten, die wie dilettantisch angepappter Zierrat wirken. Jesus on Mars fällt bemüht aus dem Rahmen, weil sich die Nummer gezwungenermaßen wilder und ausgelassener beim Partymachen gebärden will, aber auch textlich eher unangenehm ist („Hi-ya-ya, hi-ya-ya/ Hi-ya-ya-ya-ya-ya-ya/ Hi-ya-ya, hi-ya-ya“). Etwas besser ist da das ebenso rockiger gemeinte Endgame, das mit männlichen Harmonie-Backingvocals stimmungsvoll nach vorne poltert, sich aber zu ziehen beginnt, wo der Platte im Ganzen hinten raus ohnedies ein bisschen die fesselnde Wirkung ausgeht und man trotz kompakter 35 Minuten Gesamtspielzeit irgendwann auf Durchzug zu schalten beginnt.

Doch auch wenn Imbruglia (und Co.) wieder keine wirklichen Hits, keine herausragenden Hooks oder nachhaltigen Melodien gelingen, unterhält Algorithm in Summe auf unverfängliche, sympathische Weise.
Debbie verneigt sich mit sommerlicherm Synth Pop eingängig vor den Eurythmics, das beschwingte Upside Down geht locker und flott gut ins Ohr. Catastrophe klatscht tanzbar an der Disco vorbei und hat dabei etwas von extrem harmlosen Muse, „Ay, ay, ay, ay, ay, ay, ay, ay“!
Sound Like it Feels ist euphorischer strahlend und pumpend Clubmusik für das Formatradio und Who Dimmed to Lights schielt in seiner folkloristischeren Aufbruchstimmung mit Streichern zu Taylor Swift. Just Drive pumpt ätherisch klar wie eine solide Chvrches-B-Seite und Breath With the Fire Lola entwickelt sich zu unverfänglichem Dance Pop, der auf seinem knubbeligen Bass groovt, bevor das schön verträumte Beautiful Love sofort gefällt, aber eben auch sofort wieder vergessen ist. Denn so wenig schmeichelhaft es auch klingen mag: Das groteske Artwork der Platte ist irgendwie doch das am hartnäckigsten hängen bleibende Element der Platte.

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