Nikki Lane – Denim & Diamonds

von am 8. Oktober 2022 in Album

Nikki Lane – Denim & Diamonds

(Weniger) Country (mehr) Rock: Fünf Jahre nach ihrem Durchbruchsalbum Highway Queen hat Nikki Lane dank Josh Homme mit Denim & Diamonds ihr viertes Studioalbum fertiggestellt.

Neben Lanes angestammter Band und Kollegen (Jenny Lewis oder Matt Pynn) hat der Queens of the Stone Age-Boss auch wieder einige handverlesene eigene Kumpels (u.a. Michael Shuman, Matt Helders, Desn Fertita oder natürlich Alain Johannes) mitgebracht, um der nach Highway Queen (aus unterschiedlichen Gründen) nicht wirklich in die Gänge kommenden 38 jährigen eine neue Perspektive für ihre Songs zu bieten. Diese Sicht blickt weniger auf die Kernkompetenzen der Frau aus Greenville, sondern deutlicher hin zu den Trademarks der Desert-Ikone selbst, betont den Rock also durchaus stärker, als den Country.
Das überrascht, steht Lane an sich aber durchweg sehr gut.

First High ist etwa gleich ein gut abgehangener, flott und trocken inszenierter Ohrwurm mit Bohemian Like You-Gitarre, bevor das verquer stacksende Titelstück noch weiter in Homme-Gefilde heult und im catchy Refrain für ein Mantra der Platte groß ausholt: „I can do whatever I wanna / All by my lonesome / If there’s a problem / Well, you can’t say shit“.
Auch Born Tough serviert seinen schmissigen Rock’n’Roll mit Botschaft, wie die meisten Songs des Albums übrigens mit einem zu oft repetierten Chorus, wobei trotz der so markanten Hilfe von außen die zentrale Botschaft der Platte ohnedies überdeutlich bleibt: Selbstwert und -Bestimmung sind wiederkehrende Themen, doch dient Denim & Diamonds (stilistisch wie inhaltlich) gefühlt vielmehr primär dazu, Lane Selbstvertrauen zu stärken. Eine Agenda, die aufgeht, wenngleich ohne Kür.

Egal ob das nostalgisch pendelnde, immanent hedonistische Live / Love angenehm entspannt schippert, Black Widow den ZZ Top-Stomp im Roadhouse mit Handclaps und Call-and-Response-Parts ausschmückt, ausgerechnet das mit Homme geschriebene Mentalitätsmonster Try Harder wunderbar gemütlich, luftig und locker Eigen-Motivation betreibt, oder Pass It Down so gefühlvoll eine liebenswürdige Einladung ausspricht: all diese Facetten sind cool und lässig inszeniert, angenehm zu hören, kurzweilig, geschmackvoll sowie unterhaltsam, und gehen auf harmlose Weise gut ins Ohr – aber auch relativ problemlos wieder hinaus, bleiben ohne Überraschungen auf Nummer Sicher gehend auch stets ein bisschen farb- und ambitionslos.

Zumindest das tolle Good Enough, das einen unangestrengten 70s-Vibe in seinen entspannten, aber zielstrebigen Drive hat, seinen Spitzen-Refrain unaufdringlich feiert und mit der verträumten Bridge sogar noch eines drauflegt, das intim gezupfte Kleinod Chimayo mit seinem subversiv melodramatischen Flair oder vor allem das ruhiger schwelgende, kontemplativ-romantische Faded mit seiner Pedal Steel zwischen Country und Lounge, das nicht nur Freundin Lana verzaubern dürfte, wecken dann aber noch zusätzliche Zuneigungen, die Denim & Diamonds als veritable Kurskorrektur und synergetisches Comeback über das Image des chicken Lippenbekenntnisses heben.

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