Old Soul & ██████ – Split

von am 3. Juni 2014 in EP

Old Soul & ██████ – Split

Zwei der aktuell heißesten Genre-Aktien spannen eine bestialisch gute, bedrohlich finstere Allianz zwischen den USA und Tschechien in Sachen Screamo-infiziertem Post-Black Metal.

Während das Quintett mit den drei Gitarren (aber ohne Bass) aus Plzeň weniger wegen seiner markanten Namenswahl als vielmehr dank der vielversprechenden musikalischen Qualitäten ihrer ‚Demo‚bereits heftige Eindrücke hinterlassen hat werken Old Soul aus Mount Pleasant, Michigan momentan noch daran in der alten Welt aufmerksamkeitstechnisch Fuß zu fassen. Dass sich dies nach dieser Split schlagartig ändern dürfte kann man guten Gewissens prophezeien und bei dieser Gelegenheit auch gleich darauf verweisen dass die fünf Amerikaner ihren tollen Backkatalog auf Bandcamp nicht nur via Name your Prize-Prinzip anbieten, sondern für die kommende Europa-Tour auch hierzulande noch nach Bookern suchen.

Ihre Visitenkarte hämmern Old Soul dabei von der ersten Sekunde an eindrucksvoll zwischen die Genrestützpfeiler. ‚Lens‚ ist ein rasender 220 Sekünder – giftig, brutal und fies, klaustrophobisch, hässlich und hart, vor allem aber ein irres Ding von einem Wechselbalg: der Song kippt nach gut der Hälfte in Math und Hardcore-Gefilde, während die Band im folgenden ‚Emerald‚ plötzlich ausladend schwebenden Postrock spielt, über den sie immer wieder eine ätzende Flüssigkeit aus strahlender Misanthropie kippen und die Gitarren erhebend jubilieren lassen, so ein unberechenbares Wechselbad aus Zuckerbrot und Peitsche kreieren. Musikalische Grenzen werden hier eben genüsslich ignoriert. 4 Songs und knapp 35 Minuten lang beweisen sowohl Old Soul als auch ██████ [Nic], dass die beiden Bands zwar Kontinente und tausende Kilometer trennen mögen, man sich in der musikalischen Ausrichtung aber druchaus in gemeinsamen Bahnen bewegt: Post-Black Metal ist hier nur die Startrampe auf der  Crust, Screamo oder Postrock auf eindrucksvolle Weise Hand in Hand gehen.

So grandios den Amis der Auftakt allerdings auch gelungen sein mag – das eigentliche Feuerwerk veranstalten erst ██████: ‚V‚ beginnt mit ambienten, auf melancholische Art bedrückenden, Soundscapes, die Gitarren erheben sich zwischen Explosions in the Sky und Lurker of Chalice zu einer rasenden Black Metal-Schönheit. ██████ lassen das Gebilde danach abebben, verschieben die Akzente in ein glimmerndes Shoegaze-Feedbackrauschen, holen noch einmal melodisch zum unheilvollen letzten Schlag aus, grooven beschwörend dem unvermeitlichen Ausbruch entgegen.
Alleine das infernale Gebrüll unter den Gitarrenschichten klingt tatsächlich zu gepeinigt und malträtiert um das als reines Trendsettergebolze abzukanzeln – die allgemeine Einigkeit kommt also nicht von irgendwoher: das ist wahrhaftig der beste Song, den die Band je geschrieben hat. Ein homogener, abwechslungsreicher, nahtloser Rausch durch atmosphärisch dichtes Songwriting, das vielleicht nicht eklatant anders ausfällt als das vieler ähnlich gearteter Kollegen – aber dem Schaffen der Szenekönige Deafheaven qualitativ eben kaum noch hinterherhinkt und höchstens noch kleine Nuancen der Eigenständigkeit braucht um den Talentstempel endgültig gegen ein Ticket für die Speerspitze eintauschen zu können.
Die absoluten Fortschritte die ██████ dabei in so kurzer Zeit gemacht haben sind schlicht imposant, treten am deutlichsten in der allgemein sauberern, klareren und auch packender Produktion hervor, die Welten von der ‚Demo‚ entfernt ist, zeigen sich aber auch im zielgenaueren Meistern der Spannungsbögen, der konzentrierteren Direktheit in der handhabung der Ideen, ‚VI‚ prügelt dissonanten Hummelgitarren, atemlose Blastbeats und pures, nihilistisch Gekeife nach allen Regeln der Kunst, hat über zahlreiche Auswüchse stets sein episch geöffnete Hymnenfinale vor Augen: „I am lying in the dirt/Choking with my every breath/I can’t breathe/I can’t breathe/I can’t breathe/I don’t want to”.

08 ██████ Bandcamp | Old Soul Bandcamp

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