Placebo – Hellen Keller
Hellen Keller statt Honk Kong: Placebo deuten mit der fabelhaften Re:Created-Version ihres Debüts im Rücken pünktlich zum Beginn der 30th Anniversary Tour der atmosphärischen Instrumental-Schönheit H.K. Farewell um.
Mit ambivalentem Ausgang, recyceln Brian Molko und Stefan Olsdal die Piano-Melodie des 1996er Hidden Tracks in einen gediegenen Alternative Rock-Standard übersetzt doch als relativ überraschungsfreies Malen nach Zahlen.
In der tollen Ausgangslage eines ebenso eingängigen wie gefälligen, und mit Instant-Placebo-Feeling absolut angenehm zu hörenden Standards, ist da neben der zwangsläufigen Vertrautheit nämlich unmittelbar das Gefühl, die Nummer gefühlt schon in verschiedenen Variationen von der Band gehört zu haben – ungefähr zwischen Jesus’ Son aus der B3-Perspektive, aber auch auf Never Let Me Go hätte die Song zwischen Try Better Next Time oder Beautiful James durchaus gut gepasst, ohne zu stören.
Mit einem Bein in der unverkennbar zufriedenstellenden Zuverlässigkeit verankert, und dem anderen im zu vorhersehbar gestrickten Autopiloten, der keinerlei Risiken abseits der reibungslosen Komfortzone eingehen will, leidet Hellen Keller jedoch vor allem auch an der schlichtweg langweiligen Produktion, der einfach der nötige Biss und ein veritabler Arschtritt fehlt, um der behäbigen Rhytmussektion ein wenig Feuer unter dem kristallen Wave-Synth sowie den praktisch nicht vorhandenen Gitarren zu machen.
Denn obwohl auch deswegen der Umstand umso schwerer wiegt, dass Placebo der Killer-Instinkt abhanden gekommen ist, was die großen Refrains und begeisternden Hits angeht, ist Hellen Keller – zumindest mit aufrundender Fanbrille betrachtet – trotzdem eher eine schwache Standalone-Single, als ein ansatzweise schlechter Song.


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