Prong – Songs from the Black Hole

von am 6. April 2015 in Sonstiges

Prong – Songs from the Black Hole

Auf die Frage nach den Beweggründen hinter ‚Songs from the Black Hole‚ erklärt Prong-Chef Tommy Victor ganz lapidar, dass die Band schlichtweg wieder mit einer neuen Platte in der Hinterhand auf Tour gehen wollte, dazu Studiozeit vorhanden gewesen und ihr Manager von der Idee eines reinen Cover-Albums durchaus angetan gewesen wäre.

Eine Tatsache, die er bei so viel vorauseilender Ehrlichkeit unterschlägt, ist, dass die Band aus New York auch schlichtweg wieder einmal Bock darauf gehabt haben dürfte, ihrer Vorbildern Tribut zu zollen. Der Enthusiasmus, mit dem Prong diese 10 Fremdkompositionen eingeprügelt zu haben scheinen ist insofern vor allem bei den stürmischsten Phasen der Platte immanent: ‚Songs from the Black Hole‚ ist in Summe eine kurzweilige, zwar wenig eigenständige, aber rundum vitale und angenehm kompromisslose Angelegenheit geworden.

Dabei zünden die 43 Minuten keineswegs so klar definiert als Hit or Miss-Angelegenheit, wie man das vorab angesichts des Fokus auf 80er-Hardcore/Punk und einige weniger offensichtlichen Ausreißer erahnen wollte, sondern funktionieren als eine durch die Bank zumindest souveräne Verneigung vor den gecoverten Bands. Das bedingtermaßen dezent uninspirierte Flair der Platte wird dabei mit stilsichererer, angenehm unoffensichtlicher Songauswahl (Kudos an Bassist und Kurator Jason Christopher) und einem stets hoch bleibenden Energielevel ausgeblendet – ohne jedoch kaschieren zu können, dass trotz der aufgefahrenen Klasse an allen Ecken und Ende Schönheitsfehler unterm Gebälk das positive Bild trüben.

Die Prong’sche Behandlung aus fett drückendem, staubtrocken austeilendem Groove-Metal kann – natürlich – keines der Originale übertrumpfen, steht den meistens Songs aber erstaunlich gut, wie gerade der steil ausgebremste Beinahe-Titelsong ‚Kids fom the Black Hole‚ vorführt, der sich ordentlich Mühe gibt den sprintenden Punk der Adolescents zum stoischen Nackenbrecher umzuformulieren. Grundsätzlich nimmt das Trio die Songs allerdings an jenem schmalen Grat durch die Mangel, der ohne sich auf Wagnisse einzulassen oder allzu weit von den Grundkompositionen entfernen zu müssen schnurschtracks in die relative Relevanz führt.
Der thrashige D-Beat von Discharges ‚Doomsday‚ gerät so in den Händen des giftig keifenden Tommy Victor sogar zum richtigen Brett, nicht nur in ‚The Bars‚ streut er zudem halsbrecherische Gitarrenabfahrten – das rasende ‚Goofy’s Concern‚ (Butthole Surfers) holt im Mittelteil gar zu einem verdammt harten Headbanger ala Pantera aus. Vor allem die beiden am deutlichsten aus dem Rahmen fallen Kompositionen trumpfen dann regelrecht imposant/polarisierend auf – der Sisters of Mercy-Song ‚Vision Thing‚ steht der Band, selbst wenn hinten raus die inszenatorischen Akzente fehlen, als tanzbarer Düsterrocker unheimlich gut; ‚Cortez the Killer‚ offenbart dann als auf dem Album deplazierten Schlusspunkt Victors gesangliche Limitierungen, legt gleichzeitig jedoch als melancholischer Ruhepol durchaus neue Facetten für Prong frei und spielt der Band auf gefühlvolle Art in die Karten – weswegen es dem Trio mit ordentlich Power unter der Haube über weite Strecken sogar einen stärkeren Eindruck zu hinterlassen als auf ihren letzten regulären Studioplatten.

Dann aber sind da wiederum Facetten, oftmals nur Details, die eine an sich gelungene Interpretation doch in gewisser Weise die Suppe versalzen können: ‚Banned in D.C.‚ scheitert etwa daran, dass man automatisch H.R. im Hinterkopf hat und Victor mit unterkühlter Herangehensweise nicht einmal ansatzweise die manische Dringlichkeit der Bad Brains beschwören kann, wo er viele Songs gesanglich ohnedies etwas zu gebremst angeht.
Die Wahl von ‚Give Me the Cure‚ ist dann enorm ambitioniert, aber versteift sich die Band hier in einen lahmenden Hardrockmodus und wirkt damit in gewisser Weise im Autopiloten agierend, zu weit außerhalb ihrer Wohlfühlzone und etwas zu routiniert. Aber selbst wenn das geradezu prollig vor sich hergetragene Metal-Gitarrenspiel von ‚Don’t Want To Know If You Are Lonely‚ mit aller Gewalt zu kaschieren versucht, dass Prong Hüsker Dü bis kurz vor Schluss beinahe 1:1 nachspielen (und ja, diese Melodieverliebtheit steht ihnen!): ein tatsächlicher Griff ins Klo findet sich auf ‚Songs from the Black Hole‚ keiner, die Coversause macht selbst dann Laune, wenn die auf den ersten Blick ungewöhnliche Wahl von ‚Seeing Red‚ (Erklärung: die Ministry-Parallele?) knapp daran vorbeischrammt: Prong beschränken sich so sehr darauf die großartige Nummer des gerne unterschätzen, selbstbetitelten 2003er Killing Joke-Albums zu kopieren, dass Tommy Victor nicht einmal davor zurückschreckt Jaz Colemans britischen Akzent zu imitieren und die sechseinhalb Minuten damit beinahe in die Grenzen des Absurden treibt.

Dass hier natürlich zudem der mitreißende Monster-Groove der ursprünglich von Dave Grohl nach vorne gepeitschten Drums fehlt, führt dann auch den gravierendsten Minuspunkt der Platte vor:
Ar Cruz‘ Schlagzeugspiel ist bis zur klinischen Perfektion auf saubere Makellosigkeit getrimmt und transportiert einen regelrecht seelenlosen Sound – ohne Blick in die Credits könnte man hier sogar durchaus eine sekundengenau getimte Drummaschine vermuten. Am Ende weckt dieser Produktionsfauxpass vor allem den Wunsch, die Songs von ‚Songs from the Black Hole‚ im verschwitzteren, schmutzigeren Live-Gewand erleben zu können. Insofern hat die nicht unsympathische Coveraktion Prong zu einer guten Platte für Hardcore-Fans mit einigen Makeln geführt – ihren Zweck erfüllt sie gerade dadurch aber irgendwo optimal.

[Zweimal gibt es übrigens die Gelegenheit Prong auf ihrer aktuellen Tour auch in Österreich Live zu sehen: am 27.04.2015 im PPC in Graz (Tickets) und am 28.04.2015 in der Szene in Wien (Tickets)!]

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