Robbie Williams – Britpop
Robbie Williams beendet die längste Plattenpause seiner Karriere – fast zehn Jahre sind seit The Heavy Entertainment Show vergangen und immerhin über sechs seit The Christmas Present – mit Britpop, das so betont kraftvoll auftretend auch als Statement verstanden werden will.
Williams (seinen Titel nicht ohne Stolz als Tribut und Proklamation tragendes) dreizehntes Studioalbum sei praktisch jenes, das er seit dem Ausstieg bei Take That 1995 – also der Hochphase des Britpop und sowieso „a golden age for British Music“ – aufnehmen hätte wollen, so der 51 jährige: „I’ve worked with some of my heroes on this album; it’s raw, there are more guitars and it’s an album that’s even more upbeat and anthemic than usual. There’s some ‚Brit‘ in there and there’s certainly some ‚pop‘ too.“
Was alles stimmt: Britpop ist eine so ungeschliffene Angelegenheit wie angesichts der Umstände vielleicht möglich, und tritt vom knackig, flott und kompakt auf dem Gaspedal stehenden (aber nicht exzessiv genug in die Kurve gelegten) Rocket betont energisch und rockend auf, wirft geschmackvolles Entertainment in die unkomplizierte und bodenständige Waagschale. Tony Iommi darf dazu gefahrlos solieren und dessen Kumpel Glenn Hughes versteckt sich, wie im späteren Verlauf der Platte beispielsweise auch Gaz Coombes oder Chris Martin, in den Credits.
Nach dieser Vorgabe machen die meisten Songs hier ohne Vielschichtigkeit, Prätentiösität oder Anbiederung kurzweiligen Spaß (und dauern trotzdem stets ein wenig zu lange), sind wie das wuchtig getragene Spies Hymnen für den Moment, nicht die Ewigkeit. Vieles könnte gar Oasis gefallen – die zurückgelehnt stapfende Beatles-Verneigung Cocky mit ihrem selbstsicher-simplen Beat, Text und Mitsing-Potential eventuell eher Noel, das die Dynamik beschwingt durchlüftend nach den Sternen greifen lassende All My Live mutmaßlich Beady Eye-Liam.
Das eingängige Pretty Face liegt dagegen eher auf einer Linie mit braven Weezer und Bite Your Tongue schielt nölenden zum rappenden Ende des Spektrum, was Freunde von The Streets, Damon Albarn oder gar Idles abholen könnte, bevor It’s OK Until the Drugs Stop Working gemütlich mit pompöseren Arrangements um die Gunst von Richard Ashcroft buhlt und Pocket Rocket den Rahmen als friedlich erbende Erinnerung an seinen energischen Opener-Zwilling gelungen schließt.
Das schöngeistig plätschernde Human fällt da als Synth-Träumerei mit Jesse & Joy ein wenig aus diesem heraus (und langweilt durch seine Monotonie und das zurückgenommene Tempo auch offenkundiger, als der Rest), Morrissey als den Wave pulsierend in den Club mitnehmende Dance-Trance (jedoch eher auf dem Niveau von Mika als Charli XCX) sogar noch mehr – da hätte Selfish Disco gut als Bindemittel funktionieren können, wo die beiden deplatzierten Stücke abfallen.
Hinsichtlich der Songauswahl zeigt die Special Edition der Platte übrigens ein dezentes Optimierungspotential bei Britpop. Die langweilige Handbremse You hätte etwa gerne gegen das druckvoll von Bläsern und Streichern begleitete G.E.M.B. oder die Wundertüte 100% Beau getauscht werden könne – selbst Comment Section, aus dem die Inszenierung mehr macht, als das Songwriting eigentlich hergeben würde, oder das schöne Fucking Amazing, wissen da mehr zu gefallen.
Doch das ist alles kein Beinbruch: Das gefällige Britpop lebt von einer erfrischenden Nostalgie, ist authetisch und unverkrampft, und macht entlang einiger Ohrwürmer auch ohne wirklich herausragende (neue Greatest) Hits auf eine runde Weise Spaß, wie sonst nur wenige Platten des Better Man in ihrer Gesamtheit: Besser als hier war Robbie seit über 20 Jahren bzw. den Chambers-Heydays nicht!


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