Rosetta – Sower of Wind

von am 14. Januar 2019 in EP

Rosetta – Sower of Wind

Rosetta bewegen den EP-Appendix Sower of Wind thematisch in alle vier Himmelsrichtungen, orientieren sich dabei aber stilistisch an den grenzenlosen Weiten des Ambient-Space als sehnsüchtig entfernten Referenzpunkt.

These sounds are organic outgrowths of latent ideas from each of the four parts of Utopioid. Thank you for having an open mind.“ erklärt die Band aus Philadelphia – was auch die personelle Rumpfmannschaft alleine aus Mike Armine (Sampling), Eric Jernigan (Guitars, piano, Rhodes, synths) sowie Matt Weed (Guitars, bass, piano, synths) erklärt: Sower of Wind ist ein ausnahmslos instrumentaler, aus dem Ambient, Drone und Score geborener Soundtrack für das Kopfkino.
Bestehend aus vier homogenen Perspektiven erforschen Rosetta so subversive Klangwelten, die anstelle konkreter Konturen sphärische Elegien vor konventionelle Strukturen stellen, sich über in das Unterbewusstsein fließende Texturen ausbreiten, ohne jemals gänzlich greifbar zu werden, niemals detonierend auszubrechen, geschweige denn nackenbrechende Riffkaskaden anbieten. Eine hypnotische Distanziertheit geht stattdessen vom formlosen Sower of Wind aus, erzeigt eine meditative Gravitation, die flüchtig bleibt, pflegt die einnehmende Ästhetik vor handfest erinnerungswürdigen Szenen.

Im eröffnenden East leiten so nachdenkliche Klavierklänge in einen dunkel bedrückenden Drone und cineastischen Minimalismus, der seine Dramatik klammheimlich unter der Oberfläche kultiviert. Kaum merklich verschieben sich die Facetten, halten über diese subtile Nuanciertheit jedoch in ihren Bann, lassen das Piano später wie in einer Arbeit von Trent Reznor und Atticus Ross sinister in eine trügerische, abgründige Sicherheit verführen.
Esoterische angehauchte Synthieflächen bilden dann die Grundlage für South, während die interstellare Weite zwischen dem ätherisch perlenden Klavier ein ausschweifend träumendes Spektrum bietet, das irgendwann die Idee einer Postrock-Gitarre erkennen lässt. Man darf die Erinnerungen zu majestätischen Grandezza von 65daysofstatic und deren Music for an Infinite Universe transzendieren, doch die Schönheit hier bleibt stets ein Stück weit assoziativer, als imaginativ. Wenn West also Funksprüche aus der nächsten Galaxie auffängt und dröhnt, dann denkt man an einen funkelnden Earth-Vibe Richtung Sunshine – einstweilen mäandert die Nummer als gitarrendominiertes Stück zu ziellos dahin, bevor das abschließende North mit Piano und Gitarren in die postrockig gezupften Gefilde von Mogwai wandert, hoffnungsvoll, aber letztendlich unverbindlich.

Nach nur 31 Minuten bleibt dabei beinahe zwangsläufig der Eindruck zurück, dass Rosetta diese stark beginnende, aber bald nur in den gelungenen Nischen-Routine ohne unbedingt eigenwillige Charakteristiken berieselnde Generik-EP trotz (oder eher gerade wegen) einer fesselnden Tiefenwirkung nicht ausführlich genug erkunden, die knappe Spielzeit für ein Ambient-Werk zu wenig erschöpfend bemessen ist. Ein wenig fehlt dem (weniger über- noch unterzubewertenden) Kurzformat als Ganzem die aus dem potenten Raum hinauswachsende Konsequenz, mehr noch als eine unbedingt originäre Handschrift. Immerhin adaptieren Rosetta bekannte Genre-Muster rundum kohärent.
Deswegen unterstreicht Sower of Wind auch die Erkenntnis, dass (ganz ungeachtet der weitestgehend enttäuschten Kritiken zur Platte) diese stilistische weit wie lange nicht aus der Komfortzone schwebenden Ausläufer von Utopioid über eine enorm dichte Atmosphäre und ohne Leerlauf auskommende Stimmung auch besser funktionieren, als es die jüngsten Studioalben der seit ihrem überragenden Debüt konstant zum soliden Durchschnitt driftenden einstigen Post Metal-Hoffnung tun. Mehr davon bitte – aber mutiger ausgeweitet dargeboten!

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