The Lovecraft Sextet – Penance
Auf Penance, dem sechsten Album des fiktiven Lovecraft Sextett, bricht Jason Köhnen die angestammte Darkjazz- Komfortzone des Projekts deutlicher mit Attacken des „Avant-Primitivist-Black Metal“ auf.
Am konkretesten und konsequentesten (und eigentlich auch: in dieser direkten Form alleine im Kontext stehend beinahe aus dem Rahmen fallend) passiert dies in Symbolom Apostolorum, wo dünn scheppernde LoFi-Blastbeats einen Wahnsinn vor sich hertreiben und ein sinfonisches Score-Delirium als Hintergrund für die aus dem Moloch in garstig greinender Bösartigkeit erzählende The Darkness-Stimme dient, bevor sich alles im kammermusikalisch eingefangenen Klaviergeklimper auflöst. Dass hier die Ästhetik trotz der greifbareren Beschaffenheit der Nummer das Geschehen weit vor jedem Songwriting-Aspekt definiert, mag schlüssig sein – er lässt den Ausbruch jedoch auch bemühter und willkürlicher erscheinen, als er notwendigerweise tatsächlich ist.
Abseits davon ist der Blackened-Faktor auf Symbolom Apostolorum eher ein im Ambiente transzendierter Aspekt, der wie ein körperloser Dämon um das Geschehen rezitiert, flüstert und röchelt, unter dessen dräuender Heimsuchung sich Köhnen (Guitar / Upright / Drums / Organ / Vocals / Electronics) mit seinen beiden Gastmusikern Colin Webster (Saxophone) und Lilian Tong (Soprano) weitestgehend in angestammten Lovecraft Sextett-Gefilden bewegt, um das titelstiftende 1675er-Gemälde Penance (De lijken van de Gebroeders De Witt) von Jan Baen musikalisch aufzuarbeiten.
Si Quaeris ist also ein vom Black Ambient besessener Dark Jazz, für den Köhnen das Patent hat, zu dem sich aber im Gegensatz zu seinen anderen ähnlichen Projekten hier auch ein sakraler, engelsgleich schwelgender Gesang gesellt, der den Mittelteil nur kurzzeitig vor seinen Dämonen befreit.
Anima Christi orgelt über einer pastoralen Grundierung, derweil Besen-Schlagzeug und Bläser schleichen, als hätte Twin Peaks irgendwann eine Kirchen-Szene gebraucht. Und klar hat man das vom Niederländischen Mastermind so ähnlich in Variationen schon unzählige Male ähnlich gehört – aber kaum sonst jemand kann das eben in dieser Sehnsucht und Tiefe so gut wie Köhnen, während die wirbelnden Drums für eine subversive Dynamik in der apokalyptischen Bilderwelt sorgen.
Dass der wieder so klerikale weibliche Gesang dergestalt angelegt ist, dass die Musik dafür Platz machen muss, die Vocals anstelle der Interaktion also in die Atmosphäre gebettet werden (derweil die astrale Monstrosität der männlichen Stimme im Wechselspiel hier wie ein Duett homogenisiert wird und 12 Minuten Spielzeit förmlich verfliegen lässt), ändert sich im weiteren Verlauf der Platte übrigens noch: In Requiem Aeternam greifen Tongs Beitrag und der Jazz ineinander, gestikulieren pathtisch und theatralischer als bei beispielsweise dem Kilimanjaro Darkjazz Ensemble.
Im Klangcollagen-Zwischenspiel Confiteor klingt die finster verzerrte Stimme des Masterminds dann gar zu sehr nach B-Movie-Kreatur, die auf der Kanzel vor Salven ballernder Willkür predigen, bevor Te Deum die Stärken und Schwächen der Platte nocheinmal mit einer gewissen Redundanz ausbreitet. Was Fans von Köhnens Universum freilich nicht stören wird (und bewertungstechnisch an der Schwelle zum nächsten Evulutionsstadium einer aktuell zu zaghaft ambitionierten Phase nichtsdestotrotz wohlwollend aufrunden lässt).


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