Amon Amarth – The Allfather Awakens

von am 23. Oktober 2026 in Album

Amon Amarth – The Allfather Awakens

Titeltechnisch mag sich The Allfather Awakens ein wenig zu weit aus dem Fenster lehnen, doch es stimmt tatsächlich: Überzeugender als hier sind Amon Amarth seit langer, langer Zeit nicht aufgetreten.

Auch wenn das kreative Feuer bei den Melodic Death Wikingern seit spätestens Deceiver of the Gods 2014 auf Sparflamme lodert, besteht eigentlich kein Grund für Amon Amarth, etwas an ihrer Formel zu ändern – der Erfolg gibt ihnen schließlich etwaige qualitative Hohlräume der jüngeren Karriere konstant stemmend weiterhin Recht.
Diese Vehemenz wird nun sogar besonders deutlich belohnt, auch wenn es insofern dennoch schwer zu bestimmen ist, was genau The Allfather Awakens merklich besser macht, als seine Diskografie-Geschwister der 10er-Jahre (wobei gerade die beiden direkten Vorgänger als ziemliche Rohrkrepierer freilich die Erwartungshaltung an die Band grundlegend relativiert haben). Vielleicht der Produzentenwechsel zu Jacon Hansen? Obwohl der bisweilen arg moderne, also fette und aalglatte Sound des dreizehnten Albums der Schweden gerne aggressiver und weniger barrierefrei reibungslos ausfallen hätte dürfen.

Doch das vor allem auf Standard-Prozesse setzende Songwriting gönnt sich nicht nur einen für überraschende Variation sorgender Schritt zur Seite (Upphaf erzählt seine mystischen Geschichten im folkloristisch polternden Acoustic-Gewand am Lagerfeuer), sondern zündet einmal mehr stark am Heavy Metal ausgerichtet mit nur wenigen Schwächephasen (Die With a War Cry ist wie Trivium ohne Klargesang schon eine Spur zu nahe am austauschbaren Metalcore-Bombast, bevor das Doppel aus dem gediegener gedrosselten Raven God und der schlichtweg langweilig generischen Banalität des Quasi-Titelstücks ermüdend frustriert) rundum effektiv, nichtsdestotrotz sogar in Summe halbwegs gut durchhörbar und gerade hinten raus seine Klasse zeigend, wenn Oden’s Hunt den Biss der Eingangsphase wiederfindet und Ascending Like an Eagle die epische Geste zurückholt.

Davor sind Songs wie das pathetisch startende Gjallarhorn, das anbiedernd galoppierende Eight Legs of Thunder oder We Rule the Waves in ihrer plakativ mitgröhlbaren Direktheit fast schon penetrante Ohrwürmer, die alle Hebel für den martialischen Fan-Service in Bewegung setzen und tatsächlich das Beste aus dem Zeltfest-Tiefgang machen. Aber eben auch ziemliche Bretter, die mehr richtig machen, als man das der Band noch zugetraut hätte.
Ja, wenn das unheimlich lamentierende Kvasir’s Blood zur schunkelnd-stampfenden Hymne wird, darf man sogar ein bisschen davon halluzinieren, dass The Allfather Awakens die Initialzündung für einen zweiten Frühling von Amon Amarth sein könnte.


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