Dinosaur Jr. – There Near
J Mascis hat sich einen Mesa Boogie MK 1 zugelegt, was das Klangbild seiner Band zu ihren Anfängen zurückführen soll. Das gelingt in gewisser Weise, vor allem hinsichtlich einer qualitativen Leistungssteigerung. Abgesehen davon ist auf There Near aber vor allem alles wie immer im Dinosaur Jr.-Land.
Inwiefern dies mit dem neuen alten Verstärker oder der fünfjährigen Auszeit zusammenhängt, kann freilich nur gemutmaßt werden, doch wirken Mascis, Murph und Lou Barlow auf Album Nummer 6 seit der Reunion wahrhaftig um das Quäntchen frischer und spritziger, als auf Give a Glimpse of What Yer Not (2016) und Sweep It Into Space (2021) – das signalisiert zumindest gleich der betont flott und motiviert agierende Einstieg mit Several Got Away, der sich schmissig shakend mit herrlich wirbelnden Drums latent euphorisch nach vorne tänzelnd als Instant-Ohrwurm mausert.
Wenn dann auch weiterer Folge keine Nummer wirklich störend aus dem Patentrezept um sensiblen Lärm und melodiösem Wehmut, gelöst gniedelnden Solos und melancholischer Fetzigkeit, simple Texte und nölendes Charisma wirklich abfällt, während die Dynamik und das Tempo im hochklassig destillierten Songwriting stets punktgenau liefert, ist There Near über seine besonders superbe erste Hälfte hinausgehend so kurzweilig fesselnd flächendeckend schlicht und einfach ein fabelhafter Fanpleaser, der wenige Wünsche offen lässt.
No Friends rockt zügig fuzzend über den Schwermut, Everything at Once lehnt sich trauriger und bekümmerter zurück und Take Me With You fetzt ebenso wie Gone Off eckiger und mit offenen Horizont.
Die launige Weinerlichkeit von Clam Along hat eine charmant-verführende Hook. Das ruhigere, ziemlich wundervolle Walk Me Back frönt seiner sentimentalen Ader und das stacksende Read the Room eine tröstende Wärme antreibt, die den Song vor dem zum Classic Rock schwofenden Schwermut Put It Down über den Filler hebt.
Dass die Platte hinten raus etwas weniger Endorphine ausschütten lassen kann, heißt übrigens nicht zwangsläufig, dass sie blasser wird: Wir haben es hier in Summe wohl mit dem stärksten Album der Band seit dem unschlagbaren Doppel aus Beyond und Farm zu tun, dem höchstens der eine wirklich herausragend geniale Song zur Business as Usual-Glückseligkeit fehlen mag.
Schließlich lässt es sich auch mühelos verschmerzen, dass die beiden Vinylseiten-Closer von Barlow (Blowin‘ Up drosselt das Tempo und bremst den bis dahin nahtlosen Fluss für Spitzen über einen gelangweilten Edgelord aus, derweil das folkrockig im nach vorne schrammelnden Americana etwas eindimensional nach vorne polternde No One’s Ready deplatziert entlässt) zu den schwächeren Beiträgen des Sebadoh-Meisters für den so konstanten Kanon der Dinosaur Jr.-Diskografie gehören (und das Aufrunden zwischen den Punkten bei der abschließenden Wertung verhindern).


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