Spillings – Spillings

von am 3. Februar 2026 in Album

Spillings – Spillings

Komponiert im andereBaustelle Studio und aufgenommen mit Seth Manchester in Rhode Island ist Spillings das auf der Achse Montréal / Berlin erdachte Kollaboration von Mathieu Ball und Liam Andrews. 

Mittlerweile sind die beiden Musiker bei BIG|BRAVE ja ganz offiziell als vollwertige Bandkollegen, haben neben all ihren unterschiedlichen sonstigen Projekten und Spielwiesen aber auch noch die Muse für eine Splittergruppe abseits des Mutterschiffs gefunden.
Spillings brechen dabei jedoch weniger eine Zäsur von der Leine, als dass sie, ähnlich wie schon OST es tat, nur diesmal eher aus einer umgekehrten Größen-Perspektive, zwischen einer stimmungsetzende Klammer aus Pro- und Epilog anhand einer homogenen Experimental Collage aus avatgardistischen Drone-Kaleidoskopen die Welt hinter BIG|BRAVE unter das Mikroskope nehmen.

Dunkel, düster und schemenhaft verschmilzt Precaution kontemplativ aufblitzende Feedback-Fetzen, die so unverkennbar die Handschrift von Ball tragen, mit subkutan pulsierender Elektronik und beruhigend gesprochen Wahrheiten über die Wirkung dieser Trance („The reaction is in you/ the reaction is in the silence“). Abrassiver Sanftmut und betörende Noise-Eleganz meditieren gemeinsam. 40 Grit wummert und pocht energischer, aufgeregter und dringlicher, ohne aus der angestammte Zeitlupe zu kommen. Der Modus Operandi von Spillings, dass jede Nummer eine Idee verfolgt und diese mit einem intrinsischen Minimalismus durch eine Industrial- und Post Rock-Optik hegt und pflegt, ist zu diesem Zeitpunkt der Platte längst erkennbar.
Dass Violent Carrier seine Entwicklung demonstrativer erkennbar macht, überrascht insofern. Das Duo schichtet den Beat um und lässt eine tektonische Saiten-Lawine los, um ihre eigene Version des Trip Hop zu finden. Dass dabei der Wunsch entsteht, dass die beiden irgendwann Depeche Mode produzieren mögen, ist ein obskurer Nebeneffekt.

Die Soundtrack-Erzählung Skinned könnte in ihrer melodischer und konventioneller angelegten Landschaft aus Textur und Schönheit auch von gedrosseltem Mogwai stammen, derweil Under the Veil Schleifen um friedvoll gepeinigte Harmonie zieht: Spillings sind auf eine Weise obsessiv, die eindringlich, aber nicht auslaugend ist; sie empfinden und erzeugen eine erfüllende Neugier für ihre Konstruktioen, fühlen sich wohl darin, ohne es sich gemütlich zu machen.
Striking the Match stellt sich exemplarisch dafür quer, transzendiert aber enigmatisch, und Terminal Agitation ruft heulend den Schulterschluss zu The Body aus, um am Americana und Club-Tendenzen vorbeizuschrammen. Hinter dem Horizont von Spillings warten also faszinierende Möglichkeiten – und dass diese auch als Katalysator für die Zukunft von BIG|BRAVE dienen dürften, macht die Sache nur noch fesselnder.

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