Guitar Wolf – More Jet

von am 20. Mai 2026 in Album

Guitar Wolf – More Jet

Awooooo! Die Label-Nomaden Guitar Wolf feiern nach 33 langen Jahren ihre Rückkehr zu Goner Records – respektive beinahe dorthin, wo alles begann – und destillieren dafür mit More Jet ein angemessen starkes Alben.

Kaum zu glauben, dass seit dem Vorgänger Love & Jett bereits knapp sieben Jahre vergangen sind. Wohl , weil sich Guitar Wolf in dieser Zeit über endlose Touren und etwas lieblose Bandcamp-Livealben ohnedies nicht rar gemacht haben. Aber auch, weil die drei Japaner die Hälfte ihres 16. Studioalbums ohnedies bereits vorab ausgerollt hatten – was bei einer Gesamtlänge von 10 Songs über die Dauer von gerade einmal 24 Minuten schon eine ganze Menge ist.
In dieser Kompaktkeit liegt dann übrigens eine der der großen Stärken von More Jet. Eine andere liegt in der herrlich roh eingefangenen Energie der Platte, von einem Sound profitiert, der verschwitzt hingerotzt die Luft zerschneidet, dabei aber jedes Instrument individuell und organisch einfängt – Seiji (Guitarwolf), Gotz (Basswolf) und Takuro (Drumwolf) kommen da der Intensität ihrer Live-Performance schon recht nahe!

Elementar ist natürlich zudem die Qualität der Songs an sich. Und auch wenn More Jet keinen Instant Klassiker der Marke Sex Jaguar von der Leine lässt, gelingen dem Trio doch einige Songs, die das Fan-Herz exakt inmitten des überraschungsfreien Guitar Wolf-Formelkasten verzücken.
Gleich das Titelstück fetzt mit Distortion kreischend und fiepend als unaufgeräumter Haufen heulend und kreischend um eine skandierte Hook und franst am Ende doch in den Noise aus. 9PM Pornomag Planet (エロ本惑星9pm) twistet, bis die Scifi-Tanzfläche still steht und alle mitbrüllen („Oh yeah, oh yeah/Pornmag planet, pornmag planet/ 9pm, Pornmag Planet“), während auch Kung Fu Bikini (カンフービキニ) seinen Titel zum Schlachtruf über den Strand hinaus macht.
Coelacanth Galaxy (シーラカンス ギャラクシー) beginnt dagegen wie von Gang of Four geschultes Post Punk Revival, knüppelt dann aber lieber punkig-kloppend im Pop-Modus und gönnt sich ein Call-And-Response-Duett und Solos: Mit vier Minuten ist das prähistorische Herzstück der Platte („350 million years, 350 million years/ Don’t underestimate me, though I don’t know karate/ …/ An emergency for the blue planet/ Dinosaurs are freaking out/ What happened in the Yukatán Peninsula?/ I am in the Indian Pacific as it all unfolds/ Deep under the sea/ I was having a good time with that girl„) theoretisch zu lang, praktisch aber keine Sekunde langweilig.

Der Rest sind tolle Standards, knackig und straff, simpel und schmissig und enthusiastisch. Und derweil es sich die meisten Nummern entlang toller, griffiger Basslinien, witziger Texte sowie einer immer wieder durchbrechenden Proto-Stones-Ästhetik ein bisschen zu einfach machen und den ultimativen Killer-Instinkt nicht erzwingen, rocken Guitar Wolf mit Sound, Attitüde und Leidenschaft einfach weiterhin das Gros der Garage-Kollegen in Grund und Boden.
Nur wenn die Band sich für den Closer Jet AKA-Chochin (ジェット赤ちょうちん) als kaum kaschierte I Will Follow Him-Adaption mit Cowbells plätschernd zurücklehnen, geht das Momentum ein wenig verloren.
Zwingender – und repräsentativer – ist da schon das offizielle Cover der Platte: Long Tall Sally surft mit blutigen Kanten über den Klassiker und insistiert so hemmungslos, als gehe es um Leben und Tod: „Awooooo!

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