Sumac – Two Beasts

von am 8. Dezember 2020 in Single

Sumac – Two Beasts

One of our favorite songs we’ve made, and a piece of music we’re happy to be sharing with you during this very tumultuous year.Sumac versprechen am Beipackzettel zu Two Beasts definitiv nicht zu viel.

Dazu, dass 2020 ein zumindest in mancherlei Hinsicht turbulentes Jahr war, haben Aaron Turner, Nick Yacyshyn und Brian Cook veröffentlichungstechnisch auch selbst beigetragen: zu einem Live– und einem Studioalbum gesellt sich nun auch eine 18 minütige Single – physisch veröffentlicht im (Vol. 5-) Rahmen der Sub Pop-Subscriber-Serie (als zusammengestutzte 7“), digital via Bandcamp zu erstehen.
Two Beasts ist dabei jedoch kein nachgeschobene Appendix, sondern viel eher tatsächlich das bisherige Sahnestück des Sumac‘schen 2020, mehr noch sogar ein Highlight der bisherigen Diskografie der den Sludge so unkonventionell in die Improvisation entführenden Morast-Metal-Allstar-Gang.

Roh und brutal steht der kernige Sound von Nicholas Wilbur der Band großartig, wie die sich selbst verdauenden Songstrukturen und würgende Riffs über schwallartigen Rhythmen ergehen, Turner heult und growlt im nebeligen Höhlensysteme der Unterwelt zu dissonanten Gitarrenfiguren. Sperrig und kantig wird der Groove immer wieder unterbrochen, bis zum Ausbluten hinausgezögert und explodiert dann in einem fiebrigen Schub, der mit manischer Energie walzt, eine mutierende Nackenrolle erzeugt, die in repetitive Trance verfällt.
Auch wenn Two Beats dann stakkatohaft ausgebremst wird, ist das im weiteren Verlauf noch typisch Sumac, aber das eigentliche Schmankerl der Nummer, wenn die Band es sich mit vollends entschleunigten Beckenschlägen irgendwo zwischen entrückten Doomjazz-Versatzstücken und ambienten Drone-Nuancen bequem macht, die Gitarre mit sehnsüchtiger Melancholie dezent neben der Spur mit verdammt viel Gefühl jedoch sogar bis in den Blues träumt. Das hätte noch ewig so weitergehen dürfen und ist insofern nach knapp 5 Minuten in dieser Ausrichtung schon viel zu knapp bemessen.

Trotzdem wirkt der rein instrumental belassene Part nicht nur schlüssiger, nun ja, komponiert, ergiebiger verfolgt und strikter formuliert, als es die der improvisierte Impulsivität folgenden Szenen von Sumac jenseits der Metal-Ausrichtung für gewöhnlich sind, er zeigt auch eine bisher ungekannte kontemplative Sogwirkung und ästhetische Unangestrengtheit des Trios, die man ihm so vielleicht gar nicht zugetraut hätte, der man so meditativ gelöst folgen will, immer weiter und weiter.
Mögen die beiden – wohl namensgebenden – Segmente der Nummer auch fantastisch miteinander harmonierend verwoben sein, ist der ruhige Ausklang, der sich kohärent aus der vertrackt erbrochenen Heaviness entwickelt, also das (gar nicht so) heimlich versöhnende Highlight eines Songs, den man so eigentlich keinesfalls in der Sammlung missen sollte.

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