Sun Guts – Supervoid
Supervoid ist innerhalb weniger Monate nicht nur bereits das zweite Album von Car Bomb-Mann Greg Kubacki unter dem Banner Sun Guts.
Es ist in gewisser Weise auch ein um das Quäntchen funkensprühender in die Eisen steigendes Update von Kilonova – und sei es nur in jener Hinsicht, dass man beim Debüt die Gesangsparts aufgrund des unvermeidlichen Vergleichs mit dem Band-Mutterschiff von Kubacki noch vermisst hat, während man diesmal praktisch keinen Gedanken mehr an etwaige Versäumnisse abseits der instrumentalen Ebene verschwendet.
Wobei sich die beiden Platten letztlich in qualitativer Hinsicht nicht viel nehmen, wobei Supervoid – das sich mit abermals 34 Minuten Spielzeit ebenso atemlos kompakt hält wie sein Vorgänger – zweierlei Vorzüge hat.
Zum Ersten ist da der Umstand, dass die Platte gleich mal mit dem bisher wohl besten Sun Guts-Song eröffnet: Terminator Cross fetzt den Mathcore begeisternd thrashig nach vorne peitschend los, verzieht die Saiten-Konturen trotz latenter Pantera-Liebe in bester Car Bomb-Manier, groovt im Elchtest tackert und blastet, lässt die Riffs um technisch virtuose Wendungen turnen, heult und soliert epischer. Mit überraschend organischem Sound überzeugt vor allem das Songwriting – Supernova ist keine Tech-Demo!
Und zum Zweiten suggeriert die sauber sequencierte Songsammlung entlang zweiter Interludes (dem experimentierenden Angels in the Iron sowie der kontemplative Space-Odyssee After You) erfolgreich einen übergeordneten Spannungsbogen, wenn das zweigeteilte Finale sich träge über den im seltsamen Lofi-Sound darbenden Nährboden Parasocial End Series (Part 1) schleppt, um seine Trademarks im aufblühenden Parasocial End Series (Part 2) besonders schnell, brutal und routiniert zu schlenzen.
Dazwischen dekliniert Kubacki seine Signaturen ohne Überraschungen mit einer immer fesselnden Kurzweiligkeit und relativen Variabilität durch. Jaw Maze schiebt schwer bouncend im Galopp, als tief gestimmtes Hämmern und Slo-Mo-Walze. Concentrics hetzt Laserstrahlend schießend etwas zäher und funkelt in schwelgender Heaviness. Das Titelstück ist brutaler und wuchtiger, um über eine melodische Nachdenklichkeit vor der nächsten martialischen Attacke durchzuatmen, derweil The Perfect Dream headbangend zur Apokalypse mit frickelnder Djent-Direktheit schleicht und ein Acoustic-Geplänkel die Alternative Metal-Friedfertigkeit vorgaukelt. Hier zelebriert die Platte immer im homogenen Rahmen bleibend bösen Metalcore (Serpent 36) oder zieht dort die Prog-Schrauben für ein Hardcore-Ringelspiel mit freiheitsliebender Math-Dramatik enger (Redactor), wiewohl selbst Standard im besten Sinne (Earthset) eine sofort greifende Unmittelbarkeit zeigen.
Sun Guts gleicht auf Album Nummer 2 einem Dynamo der sich mit Kilonova als Impuls im Windschatten von Tiles Whisper Dreams (2025) selbst auflädt, und auch dann strahlen würde, wenn Car Bomb den – längst weit über dem Methadonprogramm funktionierenden – Solo-Ausflügen von Greg Kubacki nicht derart generös das gesamte Rampenlicht überlassen würden.


Kommentieren