The Thermals – Under Crushing Rain

von am 9. September 2026 in Album

The Thermals – Under Crushing Rain

 Zehn Jahre nach ihrem zumindest ideal betitelten Schwanengesang We Disappear legen The Thermals mit Under Crushing Rain ein durchaus gelungenes Comebackalbum vor.

Während der unglaubliche Lauf, den The Thermals in den 00er Jahren vier Alben lang hatten – von More Parts Per Million bis Now We Can See, mit der Sternstunde Fuckin A als Krönung – bis heute unvergessen ist, scheint in der allgemeinen Wahrnehmung Gras darüber gewachsen zu sein, dass Hutch Harris zumindest mit seinen Twitter-Einträgen ein, um es schmeichelhaft auszudrücken, ziemlich kontroverses Bild von sich selbst im Namen der Band gezeichnet hat.
Ein Umstand, der auch angesichts Tatsache nicht zurück in den Fokus rückt, dass The Thermals mittlerweile wieder eine Solo-Spielwiese von Harris sind – und Under Crushing Rain damit personell durchaus eine Rückkehr zu den Wurzeln des Projekts markiert. Musikalisch knüpft das erste Album unter dem Bandnamen seit einer Dekade dagegen jedoch eher so direkt an die direkten Vorgängerwerke an, als wären The Thermals nie weggewesen.

Was angesichts der Qualität von Desperate Ground und We Disappear sowieso ambivalent zu verstehen ist, zumindest in der Einstiegsphase der Comeback-Platte aber durchaus schmeichelhaft gemeint ist.
Good Morning Fellow Scavengers klopft simpel und catchy nach vorne, nervt zwar mit seiner Synth-Patina und hat in der alsbald langweilenden Monotonie schnell alles Essenzielle gesagt. Doch ja, der Opener überzeugt alleine insofern schon solide, indem er Lust auf Mehr macht.
Zumal das folgende A Dark, Dark Place das Momentum ideal nutzt, nochmal einiges an Schwung und Dynamik drauflegt, und als Instant-Hit in seiner Schmissigkeit tatsächlich (beinahe) das Niveau der Post-Lofi-Heydays von Harris erreicht: Ein Smasher, der frisch und unbeschwert die nostalgische Ader anzapft.

Danach aber ist das beste Pulver (respektive die schwerwiegendste Rechtfertigung für das aus monetärer Hinsicht scheinbar unumgängliche Comeback unter dem Thermals-Banner) leider bereits verschossen und einer Platte, die entlang toller Grund-Szenarien potentiell sehr gut hätte werden können, geht knapp über dem Mittelmaß ganz ohne Euphorie in nur sehr zufriedenstellenden Songs doch merklich die Puste aus:
Der Stakkato von Spirit Collector ist so vielleicht als retroaffiner Glam a la Ty Segall gemeint, zeigt aber vor allem eine mit Handbremse angezogene Monotonie ohne Biss. Now I Believe fetzt wieder flotter schrammelnd, hat aber trotz schöner Gitarren keine restlos brauchbare Melodie. Und das auf den ersten Blick angenehm luftiger und poppiger angelegte In The Flow erschöpft sich ebenso bald, weil einfach nichts interessantes passiert: War Harris früher einmal ein Meister der Pointe und scharfen Kanten, laufen seine Songs heute meist einfach gefällig dahin. Eh gut. Aber mit einem zusätzlichen Kick wäre da auch ein merklicher Aufwärtstrend im Vergleich zu den direkten Vorgängern möglich gewesen.

Das nette I Have Had Enough Blood schlurft groovend schunkelnd und ist irgendwo zwischen dem routinierten Schatten und einem potenziell starken Semi-Ohrwurm unterwegs, was auch für den unaufgeregten Singalong Angel Eyes Are Always Watching gilt – ja, da hätten merklich tolle Thermals-Songs aus diesen Harris-Standards entstehen können!
I Will Be Delivered imitiert The Strokes vielversprechend, entscheidet sich aber enervierend und auslaugend für die Nonchalance, bevor das schnittige On a Wind So High verblasste Erinnerungen an einst aufwärmt und das locker-fluffige Titelstück dezent folkrockiger eine versöhnliche Gefälligkeit an den Tag legt, der wohlwollend entlässt: Under Crushing Rain frustriert, dürfte trotz all seiner Makel jedoch durchaus den noch stotternden Start in ein wertvolles zweites Leben für The Thermals bedeuten (und bekommt deswegen an dieser Stelle eine aufgerundete Bewertung spendiert).

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