Yeah Yeah Yeahs – Hidden in Pieces: Live at the Royal Albert Hall

von am 8. September 2026 in Livealbum

Yeah Yeah Yeahs – Hidden in Pieces: Live at the Royal Albert Hall

Es gibt zwar Abzüge in der B-Note, weil die am 18. und 19. Juni 2025 gespielten Songs Despair, Hysteric, Mystery Girl, Turn Into, Y Control und Burning nicht ihren Weg auf Hidden in Pieces: Live at the Royal Albert Hall gefunden haben. Aber das ändert nichts daran, dass die Yeah Yeah Yeahs da ein in seiner Intimität mitunter gar atemberaubend tolles Livealbum aufgenommen haben.

Ein Teil der erwähnten Nummern wird Ende Oktober zusammen mit der physischen Version von Hidden in Pieces: Live at the Royal Albert Hall in Form von zahlreichen (wenngleich nicht in Großbritannien aufgenommen, sondern auf Stopps der darauffolgenden Tour in San Diego, Chicago, New York und Mexico City) Bonustracks nachgereicht werden.
Spätestens dann ergibt der Mitschnitt sowieso ein sehr umfangreiches Gesamtpaket, gönnt sich Hidden in Pieces doch auch noch einen 22 minütigen Konzertfilm, der über den Criterion Channel zu streamen ist.
Regisseur Barnaby Clay dazu: “I wanted to create a film that not only captured the live performance but also felt close to the spirit of what the band was going for with their shows. Something delicate and dream-like, like a precious memory, timeless, emotionally charged and shrouded in mystery.”

Wenn wir schon bei Pressemitteilungen sind: „Hidden in Pieces: Live at the Royal Albert Hall was born out of a need to commune with our band and fan family in 2025, after the election,“ so Karen O. „In the past, YYYs haven’t often chosen when to be back at it and out there, it often chooses us. It, being the times. We turn to live music when we need that specific quality of depth and light to see us through the times.
Und weiter, näher auf den zurückgenommenen Charakter der Interpretationen eingehend, die sie mit Nick Zinner und Brian Chase mit Streichern, Piano und Kontrabass am intimen Ende des vertrauten Spektrums umgesetzt haben: „We worked on these arrangements in February of ‘25 at Sonic Ranch in an impossibly small window of time. Imaad Wasif and our string arranger Jherek Bischoff dove straight into the deep end with us as we arranged almost 24 songs for a quartet and acoustic instrumentation in less than a week. The stakes were high, the Royal Albert Hall was the 3rd play of the tour, most of this record is live from the hall. It was our first time performing there and the hype leading up to it was overwhelming, but ladies and gentlemen we believe the hype now we’ve done it. All the shows we performed on this small tour were extraordinarily vulnerable,“ sagt Orzolek.
We hope that translates.

Wo eine gewisse Nervosität also nachvollziehbar ist (und die während ihrer sparsam eingesetzten Ansagen immer wieder in ein impulsives Kichern ausbrechende Karen in diesem Kontext schon beinahe in wenig manisch wirkt) kann die Antwort darauf nur lauten: Absolut!
Denn, um nach all diesen ausführlichen Zitaten endlich auf den Punkt zu kommen: Hidden in Pieces ist nichts weniger als ein die Diskografie der New Yorker formschön zusammenfassendes Karrierehighlight.
Mit der Andeutung von In Heaven als Intro eröffnet dieser exemplarisch minimalistisch über einem schemenhaften Synth-Nebel, der den Gesang im Hall transzendiert und direkt in ein komplett entschleunigtes und ruhiges Blacktop übergehend. Wehmütig schwelgen die Tasten über einem sanfter Beat, ein ätherischer Ruhepuls schwebt sanft in der Melancholie, wo Tränen keinen Kummer, sondern Erleichterung bedeuten.

Gold Lion setzt über weite Strecken auf zwei Acoustic-Gitarren und einen Brian Chase, der einfach weiß, wie er akzentuiert im Dienst der Songs arbeitet und ihnen einen smoothen Groove verleihen kann. Das Björk-Cover Hyperballad haben Karen und Nick verinnerlicht, seit sie Kids waren, legen es nun aber besonders traurig gezupft in die Streicher, aus dem entlang des tollen Spannungsbogen der Show Cheated Hearts als neugierig stampfende Intensität wächst, die im orchestralen Schimmern strahlt und durch den Call-And-Response mit dem Publikum exzessiver wirkt, ohne aus dem homogen Fluss der Platte zu fallen. Von Isis bleibt als ausklingendes Crescendo danach nur ein kurzes Motiv über, das primär als Intro für Warrior dient – die latent angejazzte Version bleibt eigentlich nahe am Original, reitet aber irgendwann auch wilder die staubige Straße entlang.
Skeletons setzt seine Sentimentalität auf behutsame Weise ein und folgt einem vorsichtig getupften Marsch zu einer neugierig staubenden Atmosphäre a la Where the Wild Things Are, hinter der Runaway geheimnisvoll und bedeutungsschwer eine zauberhafte Dramatik pflegt.
In Spitting Off The Edge of the World geht die Sonne auf, beruhigt und malerisch auf subversive Weise erhebend, bevor die Spoken Word-Elegie Mars mit Sohn Django den Untergang des Himmelskörpers betrachtet.
Über allem thront jedoch das unsterbliche Maps, bei dem sich die Gitarren gefühlvoll umgarnen und später jeder im Saal vor dem sinfonischen Appendix inbrünstig mitsingt. Ein purer Gänsehaut-Moment, bewegend und ergreifend, magisch gar.
Dass das mit dem Orchester feierlich über den Horizont hinausgalopierende Zero danach regelrecht trivial anmutet, ist ein verschmerzbarer Schönheitsfehler – Hidden in Pieces: Live at the Royal Albert Hall lässt dem Fan nichtsdestotrotz das Herz aufgehen.

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