The Avalanches – Wildflower

von am 20. Juli 2016 in Album

The Avalanches – Wildflower

Als würde man für das Chinese Democracy der Plunderphonics-Tüftelstube aus einer Zeitkapsel steigen: 2016 stürmen Blink-182 die Charts, die Welt jagt Kollektiv Pokémon und The Avalanches sind mit Wildflower plötzlich wieder immer noch Garanten für geschmackvollen zusammengebastelten Pop.

Ungeachtet der zyklischen Kreise dieser Welt sind seit Since I Left You jedoch freilich unfassbare 16 Jahre vergangen, in denen sich das seit 2005 in der Produktion befindliche Wildflower zum unendlichen Treppenwitz der aus unzähligen Samples und Versatzstücken zusammengebauten Electropop-Nische zu entwickeln drohte. Doch man weiß: In dieser akribisch zusammengestückelten Millimeterarbeit braucht gut Ding eben Weile.
Was das australische Trio in den knapp eineinhalb Jahrzehnten seit ihrem Debütklassiker getrieben hat, rechtfertigt sich bei einer derart detailfixierten Produktionsgangart sowie dem einhergehenden Abklären von Verwendungsrechten (knapp 3500 Samplebausteine bilden diesmal schließlich die Grundsubstanz der letztendlich veröffentlichten 21 Tracks), personellen Wechseln (die beiden Stammkräfte Robbie Chater und Tony Di Blasi werden mittlerweile nur noch – und eigentlich wieder – von James Dela Cruz unterstützt) und der selbst gelegten Qualitätslatte deswegen zwar von vornherein bis zu einem gewissen Grad selbst – die exorbitant lange Wartezeit lässt sich abseits variierender Arbeitsitensität jedoch auch relativ simpel herleiten: The Avalanches wollten die charakteristische Ausstrahlung von Since I Left You behalten, allerdings nicht das selbe Album noch einmal aufnehmen.

Eine Herausforderung, die mit dem bunteren Wildflower geglückt ist. Zwar operiert es simpler gestrickt eher an der Oberfläche als sein Vorgänger, entfaltet dort auch nicht dessen bezaubernd-tiefgehende Atmosphäre, forciert dafür jedoch den unbeschwerten, leichtgängigen Unterhaltungswert. So banal wie die regelrecht penetrant feiernde erste Calypso-Single Frankie Sinatra ausgefallen ist, funktioniert das Zweitwerk in Summe dann allerdings mitnichten. Über knapp 60 Minuten fusioniert die fragmentarische Herangehensweise der Australier zahlreiche Versatzstücke aus den 60s und des Psychedelic Pop, verweist mit verspielter Leichtigkeit auf die bunte Fröhlichkeit der Beach Boys, vermengt maskierte Verneigungen vor den Beatles oder den Bee Gees und bastelt sich aus seinen schier unendlich scheinenden Bausteinen eine ausgelassenes, stilvolles Partyfeuerwerk voller jubilierender Vitalitäten, das allerdings eben doch entspannt genug dahinfließt, um als träumender Roadtrip-Soundtrack Musik für weite Landschaften im Sonnenschein zu dienen.
Darüber addieren The Avalanches einen Zuwachs an prominenten Livegästen, was neben Features von  Jonathan Donahue (Mercury Rev), Ariel Pink, Kevin Parker (Tame Impala),  Father John Misty, Toro Y Moi, Jennifer Herrema oder Warren Ellis durch Danny Brown, MF Doom, Camp Lo und Biz Markie auch in einem gefühlte deutlichen Plus an geschmeidig integrierter Rap-Parts mündet.

Und eben auch wunderbaren Einzelsongs, die aus dem homogen verflochtenen, aus dem Bauch heraus zündenden Gesamtkonstrukt hervorstechen: Subways etwa, dass sich zum hartnäckigen Ohrwurm auswächst. Oder Going Home, das sich unschuldig in den Club schlängelt und das unaufdringliche Rush Hour-Dösen If I Was a Folkstar mit seiner Queens of the Stoneage-DNA bewerkstelligt. Das faszinierende The Noisy Eater baut seine cartoonhaft mampfenden Beats dann um einen Come Together-Kinderchor, während das flowerpowernde Harmony seine -natürlich- wunderbaren Harmonien in ein betörendes Wald-und-Wiesen-Feeling wiegt und das glückselig shakende Saturday Night Inside Out das Album in Wohlklang transzendiert in den Äther trägt.
Dass sich Wildflower in seinem vor Details nur so strotzenden Reigen vor dieser abschließenden Glanztat immer wieder auch ein bisschen zu unverbindlich plätschernd in seinen Möglichkeiten verliert, schlichtweg sein bloßes Dasein ohne falsche Verbindlichkeiten genießt,  schmälert den versierten Unterhaltungswert dieser großartigen Rückkehr nur marginal: Einen ergiebigeren und relaxter seine Klasse aufzeigenden Begleiter durch die farbenfroh wattierten Sommermonate wird man bis auf weiteres nur schwerlich finden.

07

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