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The Bronx – The Bronx (IV)

The Bronx packen ihr schickes Mariachi-Outfit in den Schrank und lassen der Hardcore-Attitüde wieder aus freien Lauf. Alles beim Alten also im rauen Gangland von Los Angeles. Und doch: feiner geschliffen als im vierten, wie immer selbstbetitelten Anlauf war der Punkrock der Radaubrüder jedoch noch nie.

Nach nicht ganz fünf Jahren Abwesenheit darf sich das vierte The Bronx-Album ruhigen Gewissens wie ein Comeback anfühlen. Selbst, wenn das Gespann um die Leithammel Joby J. Ford und Sänger Matt Caughthran in der Zwischenzeit mit zwei Alben als ihr Mariachi-Alter-Ego und permanenter Bühnenpräsenz alles andere als untätig war. The Bronx lassen sich annähernd ein Jahrzehnt nach ihrem markerschütternd-randalierenden Debütstreich jedenfalls nicht lumpen und knallen zum vierten Mal einen kurzweiligen Punkrock-Brocken aus der Hüfte, der sich gewaschen hat. Dass ‚The Unholy Hand‚ mit energischen Riffs und angestauten Druck keine Zeit damit verschwendet dort weiterzumachen, wo ‚The Bronx (III)‚ aufgehört hat, und so gleich mal klarstellt, dass The Bronx sich nicht davor scheuen, sich selbst wieder an den vorangegangenen drei Großtaten messen lassen, kann vor lauter einherbrechender Euphorie den Blick auf den Entwicklungsschub verstellen, den das Quintett in den letzten Jahren vollzogen hat.

Die Zeit mit den geschwungenen Gesangslinien von Mariachi El Bronx, sie hat Matt Caughthrans Stimme geschliffen, geschmeidiger gemacht und auch facettenreicher, ohne sie an Sprengkraft einbüßen zu lassen – alles und jeden in Grund und Boden brüllsingen ist für das Energiebündel weiterhin problemlos drinnen. Derart samten gehört wie im zwischen Schweine- und Hardrock die Beine breit machenden Headbanger ‚Along For The Ride‚ hat man Caughthran jedoch noch nie.
Selbiges gilt für das aufsehenserregende ‚Torches‚, involviert hier aber gleich das gesamte Bandgefüge: Die Gitarren perlen nahe am Indierock, der in die Breite schlagende Refrain hätte auch ‚The Bronx (II)‚ geadelt. Überhaupt tun sich in der zweiten Albumhälfte im Abwechslungsreichtum der Songs eindeutige Parallelen zum variantenreichen Zweitwerk der Kalifornier auf, den Gipfel erreicht ‚Life Less Ordinary‚: Ford schmettert ohne sonstige Unterstützung seine dröhnende E-Gitarre in die kalte Nacht, Ausnahmesänger Caughthran sorgt für Gänsehaut: „I’m not ashamed to say I’ve lost my mind/Been walking backwards my whole life/Some might say there’s a price I pay/For a life less ordinary/Welcome to my mascarade.“ The Bronx haben eine waschechte Ballade geschrieben – und teilen damit vielleicht sogar härter aus als je zuvor.

Last Revelation‚ kann so als Schlusspunkt nur noch den kürzeren ziehen. Vor allem, weil The Bronx primär die erste Albumhälfte mit potenten Hits ausstaffiert haben, die die bisherige Discografie zwar nicht im Rückspiegel betrachten können, aber das Niveau der drei Vorgängerplatten dann eben doch beinahe halten können. ‚Style Over Everything‚, ‚Too Many Devils‚ oder ‚Youth Wasted‚ trumpfen jeder für sich mit geradezu hymnisch Radau schlagenden Melodielinien auf, spielen sich mit dem Spagat zwischen catchy Hooklines und knüppeldicken Riffs, Hot Water Music konnten das mal ähnlich gut.
Der stampfende Stakkatorocker ‚Pilot Light‚ wäre unter anderen Voraussetzungen auch Turbonegro Recht gewesen, die angehängten fetten Guns’n’Roses Soli-Ansätze sind dennoch mutig. Dass selbst derart gewagtere Rechnungen locker aufgehen, liegt am rundum gewachsenen Songwriting der Band: ‚The Bronx (IV)‚ zeigt die Punkrocker strukturierter, gemäßigter auch als etwa auf dem brachialen Chaossturm ‚The Bronx (I)‚, fokussierter eben. Roh klingen sie freilich immer noch, nur nicht mehr zu jeder Sekunde räudig, sondern schlau um ihre Stärken wissend. Die alte Floskel vom „erwachsen werden„, sie trifft auf ‚The Bronx (IV)‚ in gewissem Maße wohl zu. „Remember when the world was under our control?“ fragt Caughthran, klagt über die Last ein Königreich unter sich zu haben. Die Waffen werden dennoch nicht gestreckt. The Bronx arbeiten eben nur sauberer als bisher, ziehen allerdings wieder als tonangebende Gang durch ihr Revier.

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