The Gaslight Anthem [29.10.2012 Gasometer, Wien]

von am 2. November 2012 in Featured, Reviews

The Gaslight Anthem [29.10.2012 Gasometer, Wien]

Ein Montag im Spätoktober, Schneeregen, Wien und gefühlte -10 Grad. Eigentlich vier gute Gründe zuhause zu bleiben und den Herbst Herbst sein zu lassen. Aber mit Dave Hause, Blood Red Shoes und The Gaslight Anthem gibt es zumindest zwei gute Gründe das Haus doch zu verlassen.

Bei der Ankunft im Wiener Gasometer zeigt sich gleich, dass The Gaslight Anthem im letzten Jahr wohl endgültig durch die Decke gegangen sind, lange Schlangen haben sich bereits kurz vor 20 Uhr an beiden Eingängen des Wiener Gasometers gebildet. Diesem Ansturm ist es auch geschuldet, dass viele Besucher nicht den vollen Opener Dave Hause miterleben konnten. Dieser ist ja mittlerweile ein Stammgast auf den europäischen Bühnen, 2012 ist er ja beinahe ständig auf Tour, supportete bereits Acts wie The Bouncing Souls und spielte sowohl auf dem belgischen Groezrock Festival und der letztjährigen Revival Tour. Er bot ein gewohnt solides Set mit dem bereits hinlänglich bekannten Mix aus Solostücken und The Loved Ones Songs, allerdings wirkte er auf der doch großen Gasometer Bühne nur mit einer Gitarre bewaffnet etwas alleine gelassen. Eine dezente Unterstützung einer Band oder einzelner Instrumente (beispielsweise ein Kontrabass wie schon von früheren Sets bekannt) hätte der Bühnenpräsenz sicher nicht geschadet. Aber wie gesagt, ein solides Set ohne große Überraschungen, dem Publikum gefiel es ebenfalls.

Blood Red Shoes, die auf Hause folgende Band, waren mir zuvor nicht wirklich ein Begriff. Das Duo bot einen seltsamen Mix aus Rock’n Roll und Hardrock, der aber nie wirklich zünden konnte. Viel zu beliebig und unstrukturiert wirkten die Songs. Vieles wirkte bunt zusammenkopiert; da mal ein geklautes Janis Jopplin Lyrics, dort ein Foo Fighters Drum Part, hier eine The Strokes Anleihe, aber in Summe nichts eigenständiges. Auch der viel zitierte Funke sprang nicht wirklich auf das Publikum über, zu wenig Spannung konnte das Duo aus Brighton erzeugen, zu groß war die Vorfreude auf The Gaslight Anthem

Von dem Moment als Brain Fallon und seine Freunde aus New Jersey die Bühne betraten, merkte jeder warum diese Band überall Stadien und Hallen füllt. Die Entwicklung vom rohen, rauen Punkrock der Anfangstage hin zum stadionfüllenden Rock scheint mit dem 2012er Release ‚Handwritten‚ endgültig abgeschlossen. Das Set eröffnete mit ‚Mae‘ auch eine Auskopplung aus besagtem ‚Handwritten‘, bevor mit ‚Old White Lincoln‘ und ‚The `59 Sound‚  ebendieses Album zelebriert wurde. In dieser Tonart ging es weiter, ungemein spielfreudig prässentierte sich das Quartett; Fallon arbeitete sich gut aufgelegt durch das mit sämtlichen Hits der Band gespickte und doch ausbalancierte Set, indem es doch die eine oder andere Überraschung gab: ein Nirvana– (‚Sliver‚) und ein Misfits-Cover (‚Astro Zombies‚) konnte man sich wohl ebenso wenig erwarten wie die Anspielungen auf Green Day’s ‚Basket Case‚,oObwohl der Fokus der Setlist auf den Alben ‚The  ’59 Sound‚ und ‚Handwritten‚ lag, gab es doch noch Ausflüge in die frühen Tage der Band, ‚The Navesink Banks‚ und ‚I’d Call You Woody, Joe‚ zum Beispiel, allerdings wirkten diese Songs in der ruhigeren Variante meines Empfindens nach besser, selbiges gilt für ‚Here’s Looking at You, Kid‚. Diese Lieder offenbaren (lustiges Wort für einen Gaslight Anthem-Bericht!) auch einen der Gründe für den anhaltenden (Live-)Erfolg der Truppe; Fallon kombiniert auf der Bühne melancholisch-bedrückende Songs mit seinem unbestrittenen Talent das Publikum zu unterhalten: Die Ansagen, so sinnlos sie auch manchmal sein mögen, garantieren immer für Lacher und lockern so die Stimmung merklich auf.

Ausklang fand dieser durchaus gelungene Abend mit der zu erwartenden Zugabe, bestehend aus den bereits erwähnten ‚Navesink Banks‚ und ‚Astro Zombies‚, ‚American Slang‚ und der Überhit ‚Great Expectations‚ folgten. Ein solider Abschluss eines insgesamt sehr guten Konzertabends, scheinbar hat es sich wirklich ausgezahlt das Haus zu verlassen.

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