The Hives – Lex Hives

von am 3. Juni 2012 in Album

The Hives – Lex Hives

The Hives haben fünf geschlagene Jahre nach dem missglückten Zwitterwesen ‚The Black And White Album‚ wieder Bock auf zackigen Schwedenrock und haben gelernt, dass sie sich dafür nicht aus dem Fenster lehnen müssen.

Also keine Hip-Hop und Beat-Experimente mehr auf einer geschickt konstruierten Back to the Roots Platte, die Poster von The Neptunes und Timbaland sind abgehängt und darunter wieder jene von den Sonics und sonstigen prägenden Garagenrock Helden zum Vorschein gekommen. Das fünfte Album der Schweden besinnt sich auf die Stärken der Hives und spielt seine Karten geschickt genug aus, um eine Band nochmal zurück auf die Karte zu holen, die sich nach einen arg verzettelten Rohrkrepierer ein halbes Jahrzehnt mit dem Nachfolger Zeit ließ. Allerdings: wäre ‚Lex Hives‚ direkt nach dem überragenden ‚Tyrannosaurus Hives‚ erschienen, hätte man den megalomanen Rockern wohl Stagnation und Perspektivenlosigkeit vorgeworfen. Weil aber ein viertbestes Album der Band immer noch genug faltenfreie Granaten für die Livemacht The Hives parat hält und die Indiedisco notfalls im Selbstflug bespielen könnte, während der DJ mal schnell am Pott vorbei schaut, überwiegt irgendwann die Freude über diese unerwartete Rückkehr zu (beinahe) alten Glanzzeiten die Ernüchterung, welche ‚Lex Hives‚ zuerst noch verbreitet.

Dafür ist alleine schon der Einstieg in die Platte etwas zu gewollt und penetrant auf Reviermarkierung getrimmt: ‚Come On!‚ trägt im Titel den einzigen Befehl, den der Song zur Parole macht. Simplizismus als zweckerfüllendes Vehikel zum Erfolg, die Hives zerren also wieder mit um die Weltherrschaft, diese unerbittliche Dringlichkeit von einst, sie blitzt wieder auf. Die Gitarren sind flink genug, um mit dem treibenden Garagenrhythmen mithalten zu können, Howlin‘ Pelle Almqvist hält das Zeremonienzepter endlich wieder energisch in der Hand und peitscht seine Jungs kräftig nach vorne, die Referenzkeule wird heftig geschwungen: im bläsergestützten ‚Dont Bring Me Down‚ Tribut ‚Go Right Ahead‚ noch etwas gestelzt, und ‚I Want More‚ orientiert sich mit seiner schneidenden Gitarre in Blues-Lauerstellung gar etwas zu stark an Britney Spears liebsten Joan Jett Song. Aber nur vor der eigenen Haustür gekehrt, dass haben die Hives ohnedies noch nie. Und doch tun sie dies für ‚Lex Hives‚ akribischer als je zuvor. ‚1000 Answers‘ (wieder diese Bläser im Unterholz!), ‚Patrolling Days‚, ‚Take Back The Toys‚ oder ‚These Spectacles Reveal The Nostalgics‚, man braucht die maßgearbeiteten, mitreißend zackig stampfenden Ohrwürmer mit Chartgarantie nicht mit der Lupe zu suchen, The Hives drängen sich mit ihrem Händchen für Hooks und Melodien im schweißtreibenden Design wieder auf.

Dass der angedachte Befreiungsschlag vom ‚Black and White Album‚ letztendlich nur in die falsche Richtung getan wurde, und für The Hives auch im Rock noch Luft bleibt, um sich nicht ausschließlich wiederholen zu müssen, die Erkenntnis streuen die Schweden gemächlich zwischen all die gutgelaunten Trademarksongs. ‚Wait A Minute‚ geht erst als wenig aufschlussreicher Kumpane von ‚Love in Plaster‚ strawanzen und zeigt kurz vor Schluß, warum nicht immer Druck von Nöten ist. Noch konsequenter ist der sakral breite Orgelsoulstomper ‚Without The Money‚, ein ausgefranstes Luftholen in Black Keys Territorien für die nächste Riffabfahrt, ‚Midnight Shifter‚ schielt gar bis zum Glam ins England der 1970er. Dass hält die Sache spannend und egalisiert auch den Fakt, dass die „Mehr vom Selben mit neuen Tricks„-Platte ‚Lex Hives‚ seine PS nicht zu jedem Zeitpunkt auf den Boden bekommt. Die Lautstärke im roten Pegelbereich zu belassen, wertet hilfreich unter die Arme greifend auf, pumpt den Spielwitz der Band unaufhaltsam in die eigenen Beine, still sitzen will das unkarschiert werkelnde Partyprogramm niemanden sehen. Irgendwann kriegt einen die Unterhaltungsinstitution The Hives doch wieder. Eine mutige Platte, die ist ‚Lex Hives‚ trotz allem nicht geworden. Allerdings eben auch nicht eine solche, der man nicht zu jedem Zeitpunkt anhört, wie derart auf Nummer Sicher sie tatsächlich geht.

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