Beck – Ride Lonesome

von am 20. Oktober 2026 in Album

Beck – Ride Lonesome

Einem unausgesprochenen Zwölfjahres-Zyklus folgend, hat Beck Hanson mit Ride Lonesome den spirituellen und ästhetischen Nachfolger zu seinen gar nicht so heimlichen Meisterstücken Sea Change und Morning Phase aufgenommen.

Die mit 7 Jahren längste Pause zwischen zwei regulären Studioalben wurde zwar durch fantastische Standalone-Singles wie Old Man oder Thinking About You, sowie die erst unlängst erschienene Compilation Everybody’s Gotta Learn Sometime ohnedies verkürzt, doch relativiert sie sich nun auch durch ein Werk, das sich (gerade in den herbstlich dem Winter entgegenblickenden Tagen) wie ein schon lange bekannter Vertrauer oder eine tonale Decke gegen die Kälte anfühlt.
Vor allem der eröffnende Titelsong, der in seiner Album-Version der Homogenität wegen ohne Sierra Ferrell auskommt, könnte ein im Halbschatten verschwundener Nachzügler der Alben von 2002 bzw. 2012 sein – so wie der introspektive Americana-Weichzeichner da kontemplativ mit ätherisch gehauchtem Gesang schunkelt, in der Mischung aus hoffnungsvoller Ausbruchstimmung und melancholisch getragener Einsamkeit einen ruhigen Optimismus ausstrahlt, ganz im Reinen mit sich selbst: Ein altersloser Instant-Beck-Klassiker!

Womit die Ausrichtung von Ride Lonesome vorweg gezeichnet ist, die Messlatte aber für weite Teile des darauf folgenden Materials zu hoch gelegt wurde.
Denn so angenehm zu hören eine unheimlich einnehmende Platte auch zur Gänze ist, gelingt Beck im weiteren Verlauf keine so starke Verbindung aus Stimmung und Hook wie im Opener mehr, derweil sich das voller betörender Melodien wehende Songwriting ganz allgemein auf einem anderen Level als den beiden Quasi-Vorgängern einpendelt.
Schon in der ersten Hälfte des Albums, wo es sich Run Away als Versatzstück aus Selbst-Zitaten bequem macht, oder In the Night im zauberhaften Tauchgang durch beinahe magische orchestrale Arrangements nirgendwohin führt. Außer zum relaxten Seelenbalsam, das Artwork sanftmütig widerspiegelnd. Was auch für das auf ein Klavier gestützte Failed Words gilt, wenn Beck erhebendt über den Horizont wandert.
Doch erst, nachdem der Mittelteil von Ride Lonesome gar zu beliebig in der Wohlfühlzone plätschert (Bleed mäandert dort gefällig um sein Potential, bevor sich die Streicher in Disappearing Act vor Joga verneigen), gestaltet der 56 jährige die finale Phase wieder wirklich bezaubernd.

Im (symptomatisch für einige Stücke) zu kurzen It Ends Right Here zeigt die Andeutung einer bratzenden E-Gitarre, wie sehr solche für Reibung sorgende Impulse bereits minimale akzentuiert eindrucksvoll nachwirken (und insofern gerne etwas breiter oder konsequenter eingesetzt hätten werden dürfen), wobei nicht nur hier die reichhaltige Tiefe der Klangwelt, die Produzent Hanson mit Hilfe von Mixer Nigel Godrich erschaffen hat, zum Hineinlegen schön ist.
Die bimmelnde Niedlichkeit Falling Through My Hands bezaubert in diesem Ambiente ebenso fesselnd wie die schunkelnde Gemütlichkeit If You Don’t Know What Love Is, weil die Klasse an sich nicht erst im Closer Beyond the Light eine behutsame Zeitlosigkeit voller verhuschter Grandezza zeigt. Weswegen Ride Lonesome entgegen seines Titels auch meistens eher wie ein Heimkommen anmutet und in seiner herzerwärmenden Isolation eine mild tröstende Nahbarkeit zeigt, in die man sich trotz Luft nach oben auch gerne bis 2028 hineinkuschelt.

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