The U.S. Rip Van Winkle – The U.S. Rip Van Winkle
„Dayton, Ohio’s mysterious Rip Van Winkle has inexplicably changed their band-name to The U.S. Rip Van Winkle.“ Diese Mitteilung stellen Robert Pollard, Joe Patterson, Ben Penry und Jason Short dem Nachfolger ihres Debütalbums vorweg.
Dass Blasphemy bereits gut fünfzehn Monate auf dem Buckel hat, geht schon klar – Guided By Voices waren in dieser Zeit ja auch keineswegs untätig. Dennoch will der „new batch of 15 songs of spontaneous lo-fi psychedelia cranked out in two days“ von The U.S. Rip Van Winkle den 2025 erzeugten Schwung so oder so nicht unbedingt mitnehmen und tauscht den Elan in der nonchalanten Ungezwungenheit gerade Eingangs gegen eine demonstrativ mäandernde Fahrigkeit.
Das instrumentale Intro The U.S. Rip Van Winkle (By Title) soll sich im Wechselspiel aus einem taumelnd-schrammelnden Zappeln und dem straighter rumpelnd-groovenden Garage-Modus höchstens dafür entscheiden, den ästhetischen MO der von Pollard gelenkten Band als Orientierungspunkt vorsichtshalber noch einmal vornewegzuschicken – nur damit See the Clerk im Grammophon-Rauschen als komplett redundantes Interlude direkt dahinter gleich wieder jede Spannung herausnimmt. Das direkt dada-da-da-dadadadaaa
Danach greifen die ineinander fließenden Collage aus Skizzen und Fragmenten aber immer runder in Gang und bauen eine beinahe ganzheitliche Attitüde für The U.S. Rip Van Winkle auf.
Paint Pow klopft den Indie auf eiliger Demo-Ebene nach vorne und vergisst auf den Bass, zumal im Verlauf eigentlich eh nichts passiert, bis Harlequin Ghost als psychedelisch entschleunigtes Taumeln in sedierten Kontrast plätschert. Genau auf diese Kontraste legt es The U.S. Rip Van Winkle immer wieder bewusst an – auch kontrollierter, als es im spontanen MO scheinen mag.
Ex’s and Ohs ist ein erdiger rockendes Stacksen mit Gewichtsverlagerung, das freiheitsliebend in die Breite atmet, auch wenn der schrammelnde DIY-Sound das Panorama grundlegend einkesselt und der Song zudem einfach ausfranst. Odd Pocket geht es dort gemütlicher an und Anonymous Hangman rudert mit bratzender Heaviness, ohooo!, derweil Personal Death at Edward the 7th das Szenario mit Folk- und Americana-Anleihen auf der morgendlichen Drone-Veranda so überlegt wie angenehm durchlüftet. Monkey Puzzle Forest bimmelt minimalistisch und Broken Toys könnte beinahe eine poppige Petty-Niedlichkeit als Vorbild haben. The Loser gibt gleichzeitig Gas, während die Band auf dem Bremspedal steht.
Die delirante Klangfläche Headpiece of a Crow wirkt dann wie ein Zufallsprodukt: das Schlagzeug rumpelt die Gitarre torkelt um die improvisierte Idee eines Soulsongs do vage wie möglich einzufangen, so dass alles irgendwann nach reiner Willkür klingt – bis Blow My Drums aus dem Gebilde emporsteigt und seine Aufbruchstimmung ganz natürlich verglühen lässt, bevor die Band in in einen saloppen baumelnden Slapstick-Modus umschaltet. Das passt zu einer Platte, die einen klaren Masterplan hat, es sich aber dabei zur paradoxen Aufgabe gemacht hat, zur enervierenden Geduldsprobe für alle zu werden, die Blasphemy auf der Stelle gekriegt hat.


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