Tindersticks – The Something Rain

von am 18. Februar 2012 in Album

Tindersticks – The Something Rain

„The Something Rain“ brauchte über ein Jahr, um fertig zu werden. Von Mai 2010 bis August 2011 wurde aufgenommen, um etwas zu schaffen, an das man selbst glauben konnte.

Es muss eine tiefe Überzeugung sein, die Stuart A. Staples, David Boulter und Neil Fraser antreibt. Seit 1992 nehmen sie dunkle Alben, die durch und durch von Staples‘ sonorem Croonen geprägt sind, auf. Ihre Musik kann niemand so wirklich einordnen. Ein wenig Rock, viel Jazz, Ruhe. Ruhe vor dem Sturm. Denn schon inder Vergangenheit schufen sie emotional schwere Brocken. So schwer, dass sie Mitte der 0er-Jahre an einem Punkt angekommen waren, an dem sie glaubten, es ginge nicht mehr weiter.

Doch man raffte sich zusammen, glaubte an den Gegenüber und 2007 begann eine sich selbst reformierende Band damit, eines ihrer experimentelsten Alben aufzunehmen. The Hungry Saw war kein Chartstürmer, dafür sind die Tindersticks viel zu sehr sie selbst und entdeckten die Lust am Experiement auf ein neues. Das Ergebinis dieses Prozesses, der uns 2010 Falling down a mountain beschaffte, liegt nun vor.

Der Opener, „Chocolate“, ist ein Spoken-Word-Song, der intesiv beschreibt, wie ein Mann seine Bohéme in einer Bar kennenlernt. Eine Frau, so anders, dass die nichts mehr braucht als ein paar Platten, etwas heiße Schokolade und ein großes Bowie-Poster. Dazu der musikalische Aufbau des Songs, ruhig, bis es immer schneller, lauter wird. Saxophon, Trompete, Gitarre, Jazz. Und wie so oft auch im Leben kommt nach dem Höhepunkt der Niedergang. Man fühlt sich nach knapp 9 Minuten so, als hätte man gerade einer Lesung gelauscht. „Show me everything“ zieht einen dann weiter in das Universum der Tindersticks, Backgroundsängerinnen, eine, wie eine hungrige Säge, einschneidend verzerrte Sologitarre und der leicht nuschelige Staples sind alles, was man in diesen Minuten braucht. Weiter geht es rasant, „The Fire of Autumn“ legt ein rasantes Tempo vor, Orgel und Beatbass tun ihr übriges, um die kommende Ruhe von „A Night so Still“ notwendig zu machen. Die Band glänzt wie immer mit der ihr so eigenen Melancholie, scheut aber auch nicht vor schon fast fröhlichen Stücken wie „Slippin‘ Shoes“ zurück, in „Medicine“ kommt sogar ein Drumcomputer zum Einsatz.

„Frozen“ kann man wohl als eines der Highlights des Albums bezeichnen. Atmosphärischer, düsterer Jazz trifft auf einen treibenden Beat, der einem 60er-Agentenfilm entstammen könnte. So psychedelisch kennt man die Band gar nicht. Aber wer, außer ihnen, sollte es sonst sein? „Come Inside“ ist melancholischer Jazz per excelance und greift noch einmal die wunderbare Stimmung des Albums auf, bevor dieses mit „Goodbye Joe“ ein rein instrumentales Ende nimmt. Die Produktion ist klar, die Instrumente schön unterscheidbar –  und trotzdem fühlt man sich in die Neunziger in eine verrauchte Bar zurückversetzt, in der gerade eine der besten Bands, die man je gehört hat, spielt, ohne das man ihren Namen kennt.

The Something Rain umarmt einen mit seiner Stimmung, seiner Atmosphäre. Es ist kein leichtes Album, der Anspruch, den die Künstler an sich selbst stellten, ist spürbar. Aber dafür können sie stolz auf das Ergebnis sein. Ein Ergebnis, von dem man so schnell nicht mehr losgelassen werden möchte.

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