Foo Fighters – Your Favorite Toy

von am 29. April 2026 in Album

Foo Fighters – Your Favorite Toy

But Here We Are vertändelte sein Potential durch die harmlose Greg Kurstin-Produktion. An diesem Punkt will Your Favorite Toy nun den Hebel ansetzen, verliert dabei aber dabei elementares aus den Augen.

Ob es auch der (an den Drums mittlerweile neu besetzten) Band selbst klar geworden ist, dass der Vorgänger von 2023 zwar die besten Foo Fighters-Songs seit 2011 an Bord hatte, es der Platte aber einfach an dem nötigen rauen Biss fehlte, um diese Vorzüge wirklich zwingend zu übersetzen, oder aber, ob man auf dem zwölften Studioalbum nach all der Trauerarbeit einfach demonstrativ Dampf ablassen wollte, spielt eigentlich keine Rolle.
Fest steht, dass Dave Grohl und Co. gemeinsam mit Oliver Roman durch den Sound wieder mehr Energie spürbar machen wollen, denn die Arena-Matadore wollen ihren Punk-Spirit betont wissen. Your Favorite Toy klingt, mit One by One und Wasting Light als spirituelle Leitstellen, frischer und hungriger, ruppiger und wilder, harscher und übersteuert, suggeriert Druck über einen eigentlich frustrieren flachen Mix, der die vermeintlich rohe Ungeschliffenheit auch ein bisschen als potempkinsches Dorf einfängt. Was auf den ersten Blick arschkickend abholt – auf den zweiten aber anstrengend inszeniert wurde.

Hand in Hand damit geht außerdem der Umstand, dass auch das Songwriting mit einer aggressiver ausgelegten Attitüde eingedampft wurde – die Platte braucht keine 37 Minuten, um kurzweilig über die Ziellinie zu gehen.
Und der Attitüde tut dies auch gut: Your Favorite Toy setzt den Hebel erfreulicherweise weitaus direkter an, als Sonic Highways, Concrete And Gold und Medicine at Midnight und ist mitunter deswegen tatsächlich über diese Vorgänger zu stellen. (Zumal selbst 08/15-Stücke wie das vor allem unter seinen Lyrics leidende Child Actor keinen wirklichen Ausfall im Verlauf zulassen, derweil Todays Song aus dem Vorjahr nachvollziehbarerweise aus diesem Kontext ausgespart wurde.)
Allerdings wiegt wegen der allgemeinen Frontalität auch der Umstand umso schwerer, dass die Songs an sich sich ruppig geben, aber nirgendwo anecken, und leicht durschaubar qualitativ zumeist schlichtweg relativ medioker ausgefallen sind: Unspannende Ideen demonstrativ mit Pfeffer in die Mangel zu nehmen macht die Dinge nicht interessanter, weil die wirklich starken Hooks und euphorisierenden Melodien bei aller Eingängigkeit einfach fehlen, der Tiefgang überschaubar bleibt und vieles unter der „räudigen“ Statement-Oberfläche belanglos anmutet.

Nach dem betont rasanten Einstieg mit Caught in the Echo und dem Gift spritzen wollenden Of All People nimmt Window Tempo und Aggressivität heraus, ist angenehm und gefällig, jedoch auch ein müder Schatten im Vergleich zu ähnlich entspannten Nummern a la Next Year. Trotzdem liegt die Stärke der Band diesmal grundlegend im Midtempo. Denn wo der Titeltrack (mit kreischenden Effekten auf den Vocals den Pop-Punker gebend) sowie das fetzig-kantige Spit Shine aufgekratzt-hibbelig gar zu simpel und banal gestrickt mit „nanana“ und „uh-uh-uhhhh“s an die Nerv-Grenze gehen, oder solide Standards wie If You Only Knew (im Gegensatz zum beherzt zupackenden, exemplarisch animalischen Spaß machende Amen, Caveman) praktisch unmittelbar wieder verblassen, zeigt das ruhig-unaufgeregte Unconditional mit seinem offenen Zug nach vorne im (beattechnisch leider langweiligen) Chorus, dass die Foos weiterhin rundum schöne, ergreifende Nummern können, und diese in emotionaler Hinsicht am eindringlichsten funktionieren – auch wenn sie das episch erhebende Momentum diesmal (wieder) nicht zu fassen bekommen.
Am ehesten gelingt dies übrigens noch dem Herold/Closer Asking for a Friend als tollem Aushängeschild, der beinahe das Gefühl jener überwältigenden Größe, die Grohl und Co. in ihren besten Tagen kanalisieren konnten, erzeugen kann, weil das Songwriting der kraftvollen Attitüde hier beinahe auf Augenhöhe begegnet.

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