Tony Iommi – From the Dark
Eine so wertkonservative Qualitätsarbeit, wie sie das Artwork verspricht: Vierzig Jahre nach (dem bis heute sträflich unter Wert verkauften) Seventh Star hat Tony Iommi mit From the Dark nominell sein (je nach Zählweise) viertes Soloalbum aufgenommen.
Wie schon Iommi (2000) sowie den beiden Glenn Hughes-Kooperationen The 1996 DEP Sessions (2004) und Fused (2005) ist allerdings From the Dark kein wirkliches Solo-Werk.
Unterstützt von Becky Baldwin (am Bass, anstelle des ursprünglich angedachten Geezer Butler), Schlagzeuger Karl Brazil (als Bindeglied zu Robbie Williams) und Keyboarder Mike Exeter, fühlt sich das Album wie eine vitale Band-Platte an, deren Rampenlicht sich Iommi mit Jorn Lande als Frontmann teilt – und diesen auch freigiebig in Szene setzt.
Wobei man den elaborierten Gesang des Norwegers, der sich mit viel pathetischem Power Metal-Drama vor Dio (und auch ein bisschen Trevor Martin) verneigt und im überkandidelten Schmalz suhlt, durchaus als Zankapfel wahrnehmen kann: Solch eine röhrende, bedeutungsschwer aufgeladene (hier und da gar überladene) Theatralik, die nie eine wirklich in sich gehende Zurückhaltung anbieten will, muss man nicht vorbehaltlos mögen. Zumal die Vocals zwar auf den Songs reiten, sie jedoch an sich nicht besser machen.
Nichtsdestotrotz vertragen sie sich zumindest nach eine gewissen Eingewöhnungsphase doch sehr gut mit den Traditional und Epic Doom-Hymnen, die Iommi hier auf Heaven & Hell-Ebene mit zeitloser Klasse (so ganz ohne Alterswerk-Feeling!) erschafft.
Insofern kann man sich dahinter höchstens an Kleinigkeiten aufreiben. In der zweiten Hälfte gelingt es der Platte beispielsweise nicht ganz, das Niveau der ersten zu halten (das Brian May-Gastspiel Death Wake scheitert da primär an der Erwartungshaltung, schlängelt sich mit Goth-Tendenzen, progressiven Ansätzen und einer subtilen Opulenz aber auch so einfach zu unausgegoren als mäandernde Lauerstellung, derweil Return Of The Arbalist direkt danach nicht über den verdammt soliden Standard hinauskommt).
Und auch in ihren besten Momenten gelingen Iommi und Jorn keine ikonischen Ausnahme-Nummern oder legendären Geniestreiche, keine Szenen für die Ewigkeit.
Was aber nichts macht: Die Songs, die der 78 jährige Godfather of Heavy Metal hier auf unvergleichlich majestätischen, zutiefst befriedigenden und auch unheimlich effektiv angelegten Riffs in einem im Grunde absolut perfekt sitzenden (wuchtigen und kraftvollen) Sound baut, haben eine beeindruckend zeitlose Klasse, an denen sich 2026 bis zu einem gewissen Grad messen muss: Die Kompositionen breiten sich in einem vertrauten Rahmen aus, nehmen sich Raum und Zeit, sind in ihrer dunklen Stimmung jedoch auf geduldige Weise pointiert und hebeln die herrschende Gleichförmigkeit mit einem stoischen Gefühl für Dynamiken aus.
Gleich das starke Over The Violent Sun klingt archetypisch und bewährt, aber dennoch frisch und hungrig, wie Iommi da als Meister seines Fachs die Gitarrenlinien imposant auftürmt. Black Times drosselt sich im mystischen Nebel des ersten Black Sabbath-Albums (beinahe meint man Kirchenglocken in der Ferne zu hören!) und malt mit großer Geste eine immense Sehnsucht in den Himmel. World Alone rockt dagegen straighter und flotter knackig, während Jorn in Beyond The Dead monumentaler getragen dem schweren Seegang wacker am Bug stehend trotzt und gegen seine eindimensionalen Manierismen schmettert: Die schunkelnde Heaviness hat spätestens im Refrain ein heroisches, fulminantes Panorama, und setzt die sinfonische Szenarien ohne Kitsch um – der orchestrale Background von Ben Andrew wird trotz pompöser Physis komplett hinter den Metal geordnet.
Stormwatcher ist später nichts weniger als eine Midtempo-Machtdemonstration – ungefähr dort, wo Tenacious D vollkommen ironiefrei einen sauber aufgeräumten Down-Song zelebrieren würden? -, die inhaltlich keine Angst vor Klischees hat. Und das cool abgehangene Legacy langt noch einmal in die Vollen, gönnt sich penetrante Schüttelreime und ausnahmsweise auch eine Acoustic-Einkehr als Nuance in einem streng genommen wenig facettenreichen Verlauf.
Oder anders: From the Dark ist zwar nicht nur deswegen kein unbedingtes Highlight der allumfassenden Iommi-Diskografie, weil der Mann so viele über allem stehende Meisterwerke und Klassiker aufzubieten hat. Doch ungeachtet einer polarisierenden Grundsatz-Entscheidung und ein wenig allgemeiner Luft nach oben reicht es locker für das vorderste Drittel. Denn sollten diese 41 Minuten tatsächlich den Schlusspunkt einer beispiellosen Karriere markieren (was angesichts der Veröffentlichungsfrequenz des Briten ja bei aller Liebe durchaus im Bereich des möglichen liegt), wäre es alleine schon ein schlichtweg absolut würdiger Abschied.


Kommentieren