Trouble – Snake Eyes

von am 18. August 2017 in Single

Trouble – Snake Eyes

Nicht nur Johnny Jewel stiftet seinen neongrellen Synthpop der wiederbelebten Kultserie, so manche namhafte zeitgenössische Anachronismus-Bands haben für das Revival von Twin Peaks bereits auf der Bühne der Bang Bang Bar vorbeigeschaut – mitunter auch die eigens für dritte Staffel gegründete Kurzzeit-Kombo Trouble.

Trouble rekrutieren sich zu zwei Dritteln aus dem nächsten Umfeld von David Lynch selbst. Sein Sohn Riley übernimmt den Part des Gitarristen und Music Supervisor Dean Hurley setzt sich hinter die Drums. Vervollständigt wird das Trio am Tenor Saxofon durch Alex Zhang Hungtai (Dirty Beaches, Last Lizard), dessen Kompositionen ohnedies immer wirkten, als wären sie direkt für die Radiostationen von Twin Peaks gemacht – ob nun wie unlängst mit seinem Ambientprojekt Love Theme oder lange vorher mit den 60s affinenLo Fi-Surfpop Nummern der Badlands.

Bei der zeitlos-nostalgischen Eingängigkeit letzterer Platte knüpft die improvisierende Instrumental-Kombo Trouble mehr oder minder an, addieren aber einen organischen Sound sowie eine angespannte Atmosphäre. Dort groovt der Titelsong trocken mit krautiger, zackig angetauchter Rhythmusarbeit und einer am Reverb-Feedback kratzender Shoegaze-Gitarre, hin zum stompenden Bluesrock, ein fiebriges Saxofon heult schwülstig und soliert schwindelerregend in die Psychedelik. Das Ambiente ist schäbig, in den Mundwinkeln hängen abgebrannte Kippen. Die Menschen tragen Sonnenbrillen und Lederhandschuhe im Dunkeln, Rauch hängt im Roadhouse, ein nonchalant verstörender Barfight ist vorstellbar.
Würde der Songs nicht derart leger aus der Hüfte shacken und hinten raus immer lockerer in Fahrt kommen, könnte man gar an eine weniger manische Umdeutung von Bill Pullmans Freejazz-Exzess in Lost Highway denken, so aber sagen Trouble: „Snake Eyes effectively harkens a time when noir R&B was the de-facto soundtrack to hard liquor violence.“ Absolut!

So perfekt Snake Eyes für die Szene in Twin Peaks selbst ist, so fantastisch funktioniert der umwerfende Track grundsätzlich auch für sich stehend. Umso ernüchternder allerdings, dass die Nummer aus dem Kontext gerissen als Ausschnitt einer Jamsession nach viel zu kurzen vier Minuten Spielzeit auszufaden beginnt und damit irgendwo im Regen stehen lässt, ohne an
Auch die zusätzliche B-Seite umkreist in ihrer grandios unheilvollen, unterschwellig angespannten Atmosphäre das dunkel-mysteriöse Potential von Trouble leider nur anteasernd: Mother’s Gone schluft im schummrigen No Wave-Licht zwischen den Zeitlupen-Aufnahmen von Bohren & der Club of Gore umher, ist bedrohlich ruhig und einlullend entschleunigt, eine verfühererische Gefahr. Aber letztendlich eben auch ohne konkretes Ziel – womit Trouble trotz einer ansonsten bis zum enorm stilvollen Artwork formvollendeten Gangart seltsam unbefriedigt entlassen. Zu gerne würde man das enorm stimmungsvolle Spektrum dieser Band weiter verfolgen können, sich gänzlich in die (alp)traumwandelnde Welt des Trios einlassen anstatt ohne die dazugehörigen Serienbilder nur angefixt zu werden.
Zu schade also, dass Riley Lynch, Dean Hurley und Alex Zhang Hungtai offenbar keine Ambitionen hegen, Trouble außerhalb des Roadhouse weiter am Leben zu halten: „There may never be any more music from Trouble, but this 45 serves as physical evidence of the group’s continued existence in a parallel cinematic universe.

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