Yakuza – Beyul

von am 22. Oktober 2012 in Reviews

Yakuza – Beyul

Yakuza’s einziges Problem bleibt, dass sie vor zehn Jahren mit ‚Way of the Dead‚ ihr Meisterwerk bereits früh vorgelegt haben. Auf dem sechsten Studioalbum der Avantgarde-Metaller ist das aber ähnlich egal, wie auf den ausschließlich makellosen Vorgängern.

Wo der Metal-Stemepl das progressive Gemisch der vier Chicagoer nämlich ohnedies immer schon zu knapp bemessen hat, lassen sich Yakuza auf ‚Beyul‚ von Bruce Lamont weiter denn je in Gefilde ziehen, die noch mehr Überschneidungen mit Alternative Rock und Grunge-Anleihen aufweisen als das bisher nicht ohnedies bereits der Fall war. Eine wahrscheinlich nur logische Entwicklung, hat der nach ‚Way of the Dead‘ eingestiegene, klar von Soundgarden und Konsorten sozialisierte Sänger immer schon danach geklungen, als könnte er jederzeit den Eddie-Vedder-Gedächtnis-Award für sich beanspruchen, derart nah dran (und natürlich trotzdem meilenweit entfernt) an meditativen Pearl Jam Treibgutklassikern ala ‚Oceans‚ waren Yakuza aber noch nie dran: knapp zehn Minuten kurz dehnen sich etwa in ‚Fire Temple and Beyond‚ hypnotische Soundflächen aus, tief groovend ist das eine einzige Spielwiese für Lament und seine spirituelle Texte, über die immer wieder die jazzigen Grundwellen der Band gejagt werden, die Spannung auf- und ableben lässt- Metal ja, aber mehr noch furios grenzenloser Rock.

Oil and Water‚ hat demgegenüber eine der bisher unkaschiert eingängigsten Melodielinien der Band, ‚On the Last Day‚ streift immer wieder einen kernigen Killer-Refrain, für den unkompliziertere Bands töten würden. Im speziellen mag auf ‚Beyul‚ durchaus geltend gemacht werden, dass Yakuza neben dem Ausbau der verhältnismäßig rockigeren Schichten im Sound im sechsten Anlauf auch wirklich fokussierter zu Werke: wo allein ‚01000011110011‚ auf ‚Way of the Dead‚ 44 Minuten in Anspruch nahm, sprintet ‚Beyul‚ in seiner Gesamtheit in nicht einmal (zu kurzen) 39 ins Ziel – zielstrebiger und kompakter sind Yakuza bisher nicht auf den Punkt gekommen und tatsächlich ist die neue Kurzweiligkeit eine angenehme Trumpfkarte im niemals einfacher werdenden Extremamalgam der Band, das immer noch händeringend nach Referenzen suchen lässt.

Das ist in jener Sekunde noch progressiver Metal, der Opeth früher nur zu gut gefallen hätte, wenn da plötzlich ein Death-Rock-Inferno mit einer Urgewalt losbricht und alles mitreißt (‚Species‚). Dann wieder türmen sich psychedelische Jameinlagen mit Pink Floyd-Vorliebe auf, nur um von rasenden Metalcore-Liebeleien erschlagen zu werden, der Zug zur klaren Melodie bleibt dabei stehts im Fokus. Und natürlich der Jazz-Aspekt: mit viel Liebe zu orientalischer Atmosphäre (die spirituellen Yakuza würden sich wohl auch mit OM gut auf Tour verstehen) kulminiert Laments Saxofon mit James Chance’s Horn nicht nur in ‚Man is Machine‚ zur ausufernden Apokalypse im walzenden Gemisch, drückend und böse, dennoch leicht schwebend. Mastodon, John Coltrane, Alice in Chains, Dillinger Escape Plan – irgendwo passt hier irgendwann jede Assoziation.

Tim Remis (Sweet Cobra) und Angela Mullenhour (Sybris) steuern Gastgesänge bei, Helen Money lässt zarte Cello-Passagen einfließen – niemals aber wirkt all der Input erzwungen oder lässt ‚Beyul‚ überladen wirken. Genau genommen ist hier sogar das Yakuza-Album entstanden, dass man sich am wenigsten erarbeiten muss, dass am gefälligsten gefangen nimmt. Dass ‚Beyul‚ anfangs nicht wie seine Vorgänger hemmungslos überfordert, ist dabei Stärke wie Schwäche eines fulminanten Rausches, der Schlußakt bleibt fulminant, aber auch irgendwo unbefriedigend, Yakuza wringen nicht restlos alle wohl überlegten Wahnsinn aus sich aus, sondern begeistern eher mit einer für ihre Verhältnisse als astreine Hitsammlung durchgehenden Parade.
Bevor tobende Double-Bass Attacken die sphärischen Momente von ‚Lotus Array‚ gegen Ende triumphal niederbrennt, sinniert Lament von Shangri-La. Mit ihrem Manifest an ‚Beyul‚, diesem sagenhaften Ort aus der tibetanischer Folklore, kommen Yakuza deswegen vielleicht nicht restlos dort an. Es könnte, sollte und müsste ihnen in einer gerechten Welt jedoch endlich den Erfolg einbringen, der ihnen seit zehn Jahren verwehrt bleibt.

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