Various Artists – Old No. 1 Revisited

von am 8. Mai 2026 in Compilation

Various Artists – Old No. 1 Revisited

Old No. 1 Revisited: Unter der Ägide von Produzent und Kurator Dan Kobler hat sich eine (vornehmlich weiblich angeführte) Riege aus Country- und Americana-Stars dem unsterblichen Guy Clark-Debüt-Klassiker von 1975 angenommen.

Der Vibe der Compilation ist ein freundschaftlicher, eigentlich sogar regelrecht familiärer. Hinter dem Tribute Album steht Truly Handmade Records – „a division of Guy Clark LLC. The company was formed by Guy’s grandchildren, Dylan and Ellie, to amplify and honor the legacy.“ Kobler sorgt dazu als musikalischen Leiter in seinem Good Wishes Studio in Nashville mit songübergreifend rekrutierten Top-Musikern (nebst Rosanne Cash kann man Jen Gunderman, Audley Freed, Mickey Raphael, Sam Bush, Jamie Dick, Chris Scruggs, Dennis Crouch oder Maya de Vitry beispielsweise von Sheryl Crow- oder Willie Nelson-Platten kennen) für eine homogene ästhetische Linie, und die einzelnen Musiker helfen sich hier und da auch mal abseits des Rampenlichts im Hintergrund aus.

Beim locker aus der Hüfte schunkelnden Rita Ballou holt Hard Headed Woman Margo Price etwa Logan Ledger als harmonische Unterstützung geradezu unscheinbar hinzu – bevor dieser selbst später mit dem wundervoll sanft aus Zeit gefallen croonenden Like a Coat from the Cold im cinematographisch schwofenden Pedal Steel-Flair das ergreifende Highlight der Platte liefern wird.
LA Freeway wird von Jade Bird als folkige Sehnsucht in verträumter Pracht umgesetzt und in She Ain’t Goin‘ Nowhere lässt sich Sarah Jarosz von Mandoline, Cello und Wehmut begleiten – auch ein bisschen zu kitschig dahinplätschernd. Was so ebenfalls für That Old Time Feeling von Erin Rae (pikanterweise mit Gast Jarosz) gilt: ruhig und intim behutsam neigt die sentimentale Nostalgie dann doch zur Tranigkeit. Aber Klassiker bleibt Klassiker.

A Nickel for the Fiddler verwandelt sich in der Perspektive von Kelsey Waldon zu einem munterer Bluesgrass, bei dem das titelstiftende Instrument vorneweg tanzt. Und Brennen Leigh bringt Texas – 1947 so pointiert eine munter-beschwingte Honky Tonk-Vitalität bei, derweil Andrew Combs und Rodney Crowell dem Sog des ikonischen Evergreen-Originals von Desperados Waiting for the Train gar nicht erst zu entkommen versuchen.
Instant Coffee Blues (Aaron Lee Tasjan) bekommt als locker-unaufgeregtes Aufarbeiten vom romantischen Hadern einen elektrisch verstärkten Americana-Sanftmut und Let Him Roll wächst rund um die Spoken Word-Performance von Caroline Randall Williams zurückhaltend erblühend in der Gemeinschaft. Was den Rahmen von Old No. 1 Revisited dann auch ebenso stimmig wie sinnbildlich schließt.

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