Zach Bryan – Young Manhood and Other Donatable Organs
Zach Bryan gibt ausnahmweise wieder ein Interview, veröffentlicht in zu kleiner Auflage ein Buch und versammelt auf Young Manhood and Other Donatable Organs eine Handvoll Studio-Aufnahmen von bereits bekannten Live-Lieblingen mit zwei Songs, die sich absolute Killer-Features gönnen.
Wo einen alleine schon der Blick auf die Trackliste mit der Zunge schnalzen lässt, liegt die eigentliche Stärke auf den Ebenen dahinter: Young Manhood and Other Donatable Organs verschiebt die Ästhetik von Bryans Sound weiter in den Red Dirt und sorgt mit diesem Fokus für zusätzliche Impulse und Spannung in der Songwriting-Formel, während die 29 Minuten der Platte schlichtweg besser produziert und arrangiert sind, als es zumindest bei With Heaven on Top der Fall war. Dass die kompakte Spielzeit zudem für ein qualitativ konsistentes Niveau sorgt (während sie andererseits nicht ganz die ambitionierte Mehr-als-die-Summe-ihrer-
Lodi When beginnt zwar wie Mac Miller, lenkt aber schnell zu einem locker entspannt zurückgelehnten Country/Americana/Folkrock mit dezenten Backing-Ladies, Harmonien aus der akzentuierend einstimmenden Gruppe und sogar Synth-Flächen – ein Ohrwurm und Instant-Klassiker der Bryan‘schen Diskografie.
Kaum weniger stark gelingt das getragen schunkelnde Robot Killed the Working Man, das hinter dem Intro von Wrestler Dusty Rhodes mit Fidel die Kritik an den Begleitumständen von Modernisierungen mit einer konservativen Nostalgie: „Took the nail and hammer right out of his hands/ Sealed up the coffin, sold off the land/ Replaced the good book with machines in their hands/ Sooner or later, more soon than not/ Them homegrown tomatoes all ripen and rot/ With no rhyme or reason and no helping hand/ The day the robot killed the working man.“
Dann treffen sich Bryan und Lana Del Rey in der ruhigen Klavierballade Lies vor der romantischen Streicher-Sehnsucht Lana-Cinemascope, begleiten sich gegenseitig in der andächtigen Rolle des dominant schreitenden Leithammels wie Seelenverwandte, und ergänzen sich stimmlich in zauberhafter Harmonie, den Kitsch und Sentimentalität mit viel Schönklang wohldosiert balancierend. Dass das Malen nach Zahlen als Herzstück ein wenig aus dem Rahmen fällt, ist eigentlich ein Trugschluss aufgrund des nicht ganz optimalen Sequencings – weil das zu spät gesetzte Dog Days danach im Kontrast beinahe zu roh, energisch und schroff stampft, während es hinter seinem Mundharmonika-Spiel durch die Gitarrenarbeit frappant an die Zusammenarbeiten mit den Kings of Leon im vergangenen Jahr erinnert.
Das gut abgehangene Backwards relaxt zurückgenommen in einer Art luftigen Heaviness, bevor das Gipfeltreffen mit den perfekt interagierenden Turnpike Troubadours die anspruchsvollen Hoffnungen locker stemmt, obwohl es sich in Subversivität übt: Plainsman ist eine gemütlich über die Prärie schwelgende Nachdenklichkeit, die in ihrer Zeitlosigkeit niemandem etwas beweisen muss.
Is the Blue Tangled in You? dreht sich um einen Refrain, der hymnisch ins Stadion gehört, ohne ihn ganz zu greifen wollen und der versöhnliche Seelenbalsam You’ll Get By lehnt sich mehrstimmig ganz dezent zum Gospel, fühlt sich wie ein schon lange lieb gewonnener Vertrauter an, und steht mit seinem Charakter Synonym für die Wirkung von Young Manhood and Other Donatable Organs im Ganzen: Bryan holt hier sofort ab, setzt nicht auf das Spektakel oder die überwältigende Begeisterung, aber das konstante Wachstum seines Materials.


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