Absent From the Morning Headcount / Chevalier / Letterbombs – 3-Way Split

von am 14. Juli 2026 in EP

Absent From the Morning Headcount / Chevalier / Letterbombs – 3-Way Split

Mit Absent From the Morning Headcount, Letterbombs und Chevalier teilen sich drei der besten jungen Screamo-Bands Europas den Platz einer 3-Way Split. Was soll da schon schiefegen?

Den Einstieg besorgen Letterbombs aus Finnland, die mit God is From Texas den längsten Song des Zusammentreffens beisteuern – knapp dreieinhalb Minuten Spielzeit aber auch exzellent nutzen und eine ebenso wendungsreiche wie straighte Hatz liefern.
Schneidend-treibend und polternd-wirbelnd attackieren die Drums nach vorne, die superb unter Strom hetzenden Gitarren schlenzen das Riff dramatisch auf die Überholspur (wobei sie allerdings subjektiv betrachtet etwas voller und weniger dünn klingen könnten). Das Quartett keift gerade in der überragenden ersten Hälfte manisch voran, taucht mit melancholisch verzahnten Geklimper introspektiv sinnierend an, bevor die finale Abfahrt nochmal dringlicher und energischer ballert.
Womit Letterbombs einmal mehr auf einer Split zur Emoviolence-Hochform auflaufen.

Die Italiener Chevalier zeigen dann keine Angst davor, polarisierende Unkonventionalität in Spektrum zu forcieren. La tua tomba dorata//Una città che annega da secoli pendelt sich erst lange ein und schunkelt dabei gar mit einer latent protodoomschen Ästhetik. Doch reißt die Band aus Forli das Post Hardcore-Ruder bald zähnefletschend in bester Skramz-Manier herum und faucht wie ein besessener Tobeuchtsanfall zu einem metallischen Abgang.
Ho imparato a camminare sulle funi come i topi schielt danach garstig zu Blackened-Attitüden, dreht sich hitnwützig im Kreis und ruft die cholerisch kotzende Ästhetik mit seiner Emo-Haltung rezitierend zur Besinnung gerufen, was die bisweilen auch überkandidlete Überreiztheit der Vocals melodisch kontrastiert.

So (sehr) gut das alles dann soweit auch ist, müssen sich die Lokalmatatore von Absent From the Morning Headcount zum Abschluss dann doch den Vorwurf gefallen lassen, die Dinge zu relativieren, indem sie alle(s) andere(n) auf dieser 3-Way Split in den Schatten stellen.
Der Vierer aus Wien macht dafür praktisch ansatzlos dort weiter, wo er mit Compos Mentis als 2025er-Highlight aufgehört hat, zieht die Zügel aber sogar noch eine Nuance enger – ganz so, wie es die beiden Stücke live bereits in Aussicht gestellt haben.
Bleeding is in My Blood besticht als manischer Punk-Galopp mit einer rohen Energie, der man sich nicht entziehen kann und fokussiert seine Hysterie in einem straight ausgerichteten Ventil. Die Band zieht dabei im Grunde keine Grenze zwischen Romantik und Verzweiflung, klingt einmal mehr, als würde sie direkt am offenen Herzen agieren, und switcht die poetische Ader dafür schonmal vom Englischen ins Deutsche.
The Tally Sheet Above Your Knee baut dann auf dem wirklich geilen Drum-Sound einer perfekt räudig sitzenden Produktion, rezitiert kurz, und stürzt sich dann im dunklen Groove in einen von der Tarantel gestochen Veitstanz, der wild shakend instinktiv eskaliert. Einfach grandios, einmal mehr!

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen