Jack White – Frozen Charlotte
Wenigen steht die risikofreie Komfortzone besser, als Jack White. Dass er mit Frozen Charlotte – alias Frozen Charlatan – also praktisch „nur“ No Name II aufgenommen hat, geht absolut klar!
Das wenige Wochen alte Single-Doppel aus G.O.D. and the Broken Ribs und Derecho Demonico entpuppt sich als Einstieg in jene Platte, mit der White nun mehr eigene Solo-Studioalben als White Stripes-Werke veröffentlicht hat. Durchaus passend, ist das Tandem seit seinem Erscheinen doch nicht nur gewachsen – der (mittlerweile mit stylishem Video versehene) Opener G.O.D. and the Broken Ribs hat durch satanischen Touch auch ein neues Momentum gewonnen.
Vor allem aber gibt es so keine Überraschungen, was die stilistische Ausrichtung von Frozen Charlotte angeht. Denn die bereits auf G.O.D. and the Broken Ribs und Derecho Demonico praktizierte nahtlose Fortsetzung von No Name findet nun eben einfach auf Albumlänge statt.
Gut, dem Vorgänger begegnet Frozen Charlotte in Sachen Songwriting dabei substantiell nur beinahe auf Augenhöhe – weniger Highlights ragen hervor, ein bisschen Gleichförmigkeit tut sich auf, und Sound wie Ästhetik sind gar zu ideal auf die Fanbasis abgestimmt. Doch erfüllen die 43 Minuten der Platte ihre Rolle als Instant-Fanpleaser auch ohne spektakulären Aha-Moment und dem Eindruck, dass man all das schon mal von White gehört hat, ausfallfrei unterhaltend mit viel Motivation – schon insofern, das Side Grundlage dafür gelegt wird, wieviel Spaß das live machen wird sollen.
There’s Nobody There tänzelt Led Zeppelin’esk um die Ecke groovend um Kanten und Haken, weniger an prägnanter Eingängigkeit als dem räudigen Strawanzen rund um die Grundidee interessiert, gönnt sich aber anfeuernde „Ey!“-Animationen. Raising the Grain poltert perkussiv als Mitmach-Animation und Nobody Knows ist eine Call-And-Response-Gelegenheit mit nettem Solo.
Alleine für diese Szenen wird man White aus der Hand fressen.
Aber auch sonst macht der Third Man-Boss mit seiner perfekt eingespielten Mannschaft kaum etwas falsch. You’ll Never Fix Me wirbelt mit punkiger Energie durch eine hardrockende Stadion-Geste und das Aushängeschild Dollar Bill pendelt so effektiv wie catchy zwischen Durchatmen und Roadhouse-Ausgelassenheit.
Nur I Can’t Believe What I’m Hearing legt sich etwas zu bemüht in einen melodischer gesungenen Chorus inmitten des formelhaften Baukastens, weswegen es symptomatischerweise auch besser ist, wenn der coole Standard Thick as Thieves einfach gniedelnd fetzt oder All Alone Again seine Hebel smart ansetzt und sich neben dem Twist einer zurückgenommenen Einkehr auf die Präsenz einer fantastischen Band sowie der kernigen Produktion verlassen kann.
Ein seinen Titel unmittelbar mitgröhlbar machendes Post-Icky-Thumb-Malen-nach-Zahlen wie She’s in a Frenzy holt im minimal schwächelnden dritten Drittel des Albums nämlich ebenso mühelos ab, wie ein guter Filler a la Making Contact. Zumal der epischer ausholende Schlusspunkt Neighbors Blues ohnedies nochmal die Muskeln von Frozen Charlotte spielen lässt.
„And I ain’t got no problems“ singt White da und fasst die implizite, allgegenwärtige „If it Ain’t Broke“-Philosophie der Platte adäquat zusammen.


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