Flea – Honora
Sehr angenehm: Ausgerechnet Red Hot Chili Peppers-Bassist Flea hat in seiner Rolle als Trompeten-Liebhaber mit Honora das smoothe Konsens-Jazz-Album des Jahres aufgenommen.
Für alle, die Helen Burns noch in Erinnerung haben, dürfte daran jedoch primär der Zeitpunkt des Erscheinens überraschend sein – seit der Debüt-EP von Michael Peter Balzary sind dann halt mittlerweile doch schon 14 Jahre vergangen.
Der Blick auf die Liste der Gastsänger ist passenderweise ebenso zur Hälfte erstaunlich. Weniger wegen Thom Yorke – mit seinem alten Atoms for Peace-Kumpel und Daily Battles-Kollegen groovt Flea subtil funky gen The Smile im verführerischen Traffic Lights – als wegen Nick Cave. Ein ikonisches Statement hat sich schließlich im kollektiven Gedächtnis der Popkultur eingebrannt, selbst wenn sich die Einstellung des Bad Seeds-Frontmannes zu den Chili Billies mittlerweile geändert hat. Dass die gemeinsame Interpretation des Jimmy Webb-Klassikers Wichita Lineman als zurückgenommen schleichende Entschleunigung mit wehmütigem Trompetensolo vor allem versöhnlich daherkommt (und zugegeben nicht gerade den essentiellsten Moment von Honora darstellt) passt insofern schon.
Das Verhältnis aus Cover-Songs und Originalen, das Flea gemeinsam mit Produzent Josh Johnson an Saxophon und Keyboard sowie einer illustren Backingband und namhaften Unterstützerschar (u.a. Tortoise-Gitarrist Jeff Parker, Ex-The Mars Volta-Drummer Deantoni Parks, Mauro Refosco, Nathaniel Walcott, Chad Smith, Warren Ellis oder John Frusciante) zusammengetragen hat, hält sich dabei übrigens beinahe die Waage.
Wobei in beiden Fällen Spannweiten gegeben sind.
Das aus der Feder von Eddie Hazel und George Clinton stammende Maggot Brain besticht, indem es nach einem Schwarz für die Erde sehenden Gedicht-Intro melancholisch und nachdenklich getragen dem Schwermut frönt, während die wundervolle Frank Ocean-Verneigung Thinkin Bout You Fleas Instrumente, auf sentimentale Streichern-Arrangements im weihevoll tröstenden Hintergrund gebaut, die markante Gesangslinie ein bisschen zu nahe am Easy Listening-Programm für hippe Coffee Shops und H&M-Filialen übernehmen.
Hinten raus verliert Honora mit dem Doppel aus Willow Weep for Me (in dem eine Bass-Modulation seine Kreise zieht, die Ann Ronell-kontemplativ drumherum trötend aber vor allem mäandert) und Free As I Want to Be (für das die Gemeinschaft den Titel als Gang repetiert, sich der behäbig kopfnickende Song nach einem Solo aber doch noch aufbäumt) zwar den Faden, doch vor allem in der ersten Hälfte zeigt das Schaulaufen eindrucksvoll auf.
Hinter dem langsam von Flea erzählten Intro-Erwachen Golden Wingship zieht A Plea mit einem superben, detailliert variierten Bassriff ebenso entspannt wie virtuos in seinen vitalen Bann. Der Jazz setzt seine Bläser und die Drums leger am Oldschool-Flair ein, skandiert den Civil War herbei, und schaltet ab der Mitte so ermahnend wie beschwörend zur rockigen Fusion um.
In Frailed knisternd ziseliert der mysteriöse Suspense als groovender Soundtrack und Morning City erzeugt als flott-smoothe Verfolgungsjagd im hibbeligen Spaziergang ähnliche Bilder vor dem inneren Auge, derweil alles delirant aus dem psychedelischen Leim zu gehen droht – die Wohlfühlzone dann aber doch zu komfortabel ist, um sich herausfordernd hinauszulehnen.
Was für eine barrierefreien Zugang ideal ist, für etwaige Nachfolge-Alben (die dann hoffentlich aber keine eineinhalb Jahrzehnte auf sich warten lassen!) Aber Luft nach oben lässt.


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