Albert Hammond Jr. – Francis Trouble

von am 19. März 2018 in Album

Albert Hammond Jr. – Francis Trouble

Näher ran an ein sechstes Studioalbum der Strokes wird man gefühltermaßen bis auf weiteres wohl nicht kommen, doch Albert Hammond Jr. muss sich mit Francis Trouble auch (ein weiteres Mal) gar nicht unbedingt eklatant vom Sound seiner Stammband – oder seiner bisherigen drei Soloalben – emanzipieren: Zehn smarte Indierock-Ohrwürmer erweitern die Diskografie des 37 Jährigen überraschungsarm, aber enorm zuverlässig.

Das durchaus faszinierende Konzept hinter Francis TroubleAlbert Hammond Jr. erfuhr unlängst, dass er einen Zwilling hatte, der jedoch früh tot geboren wurde; zurück blieb nur dessen Fingernagel in der Gebärmutter sowie nun auch sein Name im Titel des vierten Studioalbum seines nun durch Identitätsfragen inspirierten Bruders – kann also getrost ignoriert werden: Es spielt bei genauerer Betrachtung praktisch keinerlei Relevanz.
Doch scheint sie dem Usus zwischen den Zeilen eine neue Dynamik injiziert zu haben: Hammond Jr. hat schlichtweg eine weitere Soloplatte im typischen Soundbild aufgenommen, die keinen Hehl aus ihren Strokes-Wurzeln macht, ihre souveräne songwriterische Klasse mit nonchalantem Understatement und gefinkelt konstruierten Gitarrenfiguren dann allerdings doch auch um das Quäntchen frischer ausspielt, als seine Vorgänger.

Letztendlich wird Francis Trouble auf Sicht damit zwar an den selben Schönheitsfehlern wie diese kränkeln: Einige wenige Songs halten gerade im beiläufigen Mittelteil das Niveau nicht vollends und nudeln (trotz feiner Ideen) etwas zu generisch und beliebig umher (das entspannte Set to Attack funktioniert etwa im Albumfluss, doch für sich genommen ist die Angelegenheit zu spannungsarm – da kann auch das formidabel in den Himmel abhebende Solo nichts ändern; Tea for Two dreht die Oasis/Liam-Schrauben nur eingangs enger, flirtet dann aber zu unverbindlich stacksend mit der Vergangenheit – doch der finale jazzig-schwülstige Saxofonnebel ist wunderbar verraucht; und der minimalistische Disco-Einschlag von Stop and Go ist dann mit stoischem Beat und flimmernden Gitarren auf einnehmende Art ereignislos); gerade auch auf komplette Länge wird man trotz der kompakten Dauer von gerade einmal 37 Minuten phasenweise auf einen gefälligen Durchzug im plätschernden Hintergrund schalten – es fehlt dem Material einfach abermals am letzten Funken, Knalleffekt oder wendigen Geniestreich, um gute Songs zu richtig herausragenden zu zwingen: Das Songwriting legt seine Karten oft zu schnell auf den Tisch und lässt sich zu offensichtlich durchschauen.
Ein tatsächlicher Strick lässt sich einer nichtsdestotrotz mühelos überdurchschnittlichen Platte daraus aber dann nicht unbedingt drehen, zumal (der stimmlich variabler dennn je gewachsene,  mittlerweile öfter denn je an Julian Casablancas erinnernde) Hammond Jr. genug Impulse setzt, um keine gravierende Langeweile aufkommen zu lassen.

DvsL ist flotter Rock’n’roll, dessen schmissigem Groove man sich kaum entziehen kann: Spätestens die Call and Response-Passagen lassen den Endorphinhaushalt wachsen, bevor ein catchy Refrain herbeizitiert wird. Noch mitreißender gerät Far Away Truths, für das Hammond Jr. seine dringlich immer wieder neu anlaufende Gitarrenarbeit zwischen Is This It und Room on Fire platziert, jedoch auch noch eine subtile The Killers-Theatralkik im Pre-Chorus addiert. Eine sein Kern- und Zielpublikum smarter abholende Singe hatte der Amerikaner bisher wohl noch nicht.
Mutet Beating zähmt sein nervöses Schlagzeugspiel und schlingernden Gitarrenlinien dann zum feinen Formatradiodienst, rundet die exzellente Eingangsphase der Platte triumphal ab: Besser – oder zumindest effektiver – war Hammond Jr. wohl noch nie, eine klassische Strokes-Reunion hiernach so redundant wie lange nicht. Dass die Latte damit für Francis Trouble in weiterer Folge jedoch zu hoch gesteckt ist und auch Ergebnisverwaltung auf der Agenda steht, kann dennoch auch beinahe als Tugend verstanden werden.
ScreaMer galoppiert mit übersteuertem Roadhouse-vibe, Garage-Flair und Stones-Verve nach vorne, Rocky’s Late Night streichelt mit latentem 80er-Atmo und Phoenix-Synthies, zwirbelt  aber doch lieber seine Gitarrenpattern zwielichtig auf. Mit Strangers verpasst Hammond Jr. dann wohl den idealen Schlusspunkt, wenn Francis Trouble erst unterkühlte Leidenschaft antäuscht, letztendlich jedoch lalala-leichtfüßig in die Gehörgänge tänzelt und versöhnlich entlassen könnte – würde das superzackige Harder, Harder, Harder als Closer nicht betont aufkratzend in purer Zackigkeit den Enthusiasmus der Platte nicht als Gateway für die Zukunft von hammond Jr. empfehlen.

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