Andrew Stockdale – Slipstream

von am 11. Oktober 2018 in Album

Andrew Stockdale – Slipstream

Rechtzeitig für die anstehende Australien-Tour legt Andrew Stockdale sein zweites Soloalbum (zumindest vorerst ausschließlich digital) vor: Slipstream entfernt sich jedoch kaum vom Sound der beiden Wolfmother-Wiederbelebungsversuche New Crown und Victorious.

Nahtlos ins Œuvre seiner nominellen Band verweisend und damit auch die Perspektiven des fünf Jahre alten Solodebüts Keep Moving ignorierend, wirkt das weitestgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit veröffentlichte Slipstream auch in etwa so inspiriert, ausgefeilt und sorgsam durchdacht, wie es das mutmaßlich schnell hingerotzte (wahlweise durch seinen archaischen Fokus die Ambitionen der Platte aber schnörkellos auf den Punkt bringende) Artwork suggeriert: Stockdale spielt hier im Grunde potentielle Wolfmother-Songs, die den Aufwärtstrend des gerade im Rückblick doch erstaunlich gut geratenen Victorious nicht halten können, dazu auch auf dessen instrumentale Nuancen verzichten.
Dabei schafft es der Opener Lazy durchaus zu überraschen: Der zurückgelehnte-abgehangene Rocker dauert vielleicht (wie praktisch jeder Song der Platte bei aktiven Konsum) trotz feiner Bridge eine Spur zu lange und wirkt ohne die nötige Power der zu gesetzten Darbietung karikierend, bleibt allerdings nicht nur wegen seiner stoisch repetierten Cowbells ziemlich catchy, sondern setzt sich vor allem wegen der (wenig geistreich arrangierten, aber im Kontext für durchaus griffige Konturen sorgenden) Revue-Bläser und schmissigen Hook in den Gehörgängen fest: „Don‘t you call me lazy!

Allerdings untergräbt Stockdale diese Forderung in weiterer Folge mit Ausnahme des netten Closers Dreamy Afternoon (eine zwischen Americana-Acoustic und Streichern plätschernde Elegie) kontinuierlich selbst, indem er Slipstream über großteils mit absolut überraschungsarmen Routinearbeiten und unaufregenden Standards füllt, die so allesamt Ausschussware des vierten Wolfmother-Werkes darstellen könnten.
Of the Darkness kommt etwa kompakt aus dem Ärmel rockend, würde für den Refrain aus dem Black Sabbath-Grundgerüst gerne zu Pink Floyd finden, zeigt dabei aber primär, wie arg überschaubar die Ideen hinter dem Song eigentlich sind. Sweet Spot zelebriert dagegen den 0815-Highway-Baukasten mit penetrantem Chorus und aufdringlicher Cowbell, während Sunshine das Potential seiner zwanglosen Flowerpowerpopmelodie nur bedingt umsetzen kann. Aus der soliden Genrenummer Hippy Hustle sticht dagegen kein Element aus der routinierten Mottenkiste hervor – es sprühen keine Funken, die Leidenschaft hält sich in Grenzen, zu gefällig will Stockdale einfach nicht mitreißen oder packen.
Trotzdem: Nicht erst, wenn das überschwängliche Remember wie ein kunterbuntes Mika-Erinnerung im retroaffinen Hardrock-Modus kurzweilig unterhält, könnte der Eindruck entstehen, dass das hier versammelte Material auf den kommenden Tourstops von geeichten Fans durchaus euphorisch aufgenommen werden könnte und Epigonen wie die Led Zepellin-Kopiisten Greta Van Fleet zumindest Down Under in den kommenden Wochen nicht die alleinige Aufmerksamkeit am Vintage-Rock-Markt bekommen werden.

Was freilich in erster Linie eine Frage der qualitativen Relation ist, aber auch daran liegt, dass Stockdale in den besten Momenten von Slipstream tatsächlich noch einmal andeutet, wozu er auch heute noch fähig sein könnte: Der Titelsong nutzt ein typisches Wolfmother-Riff aus dem Fundus der 70er, klingt dabei sogar energischer und druckvoller als vieles, was Stockdale seit Cosmic Egg gelungen ist. Später driftet die Nummer zudem noch spacig in einen proggigen Abgang, der das kammermusikalische Fass aufmacht, ohne sich für all das tatsächlich mutig aus dem Fenster zu lehnen. Das akustisch reduzierte Cherry Lane flaniert dagegen folkig den Hippie-Weg zu Blind Melon und lüftet den Sound der Platte damit leichtgängig durch. So könnte es gehen, mit der Rückgewinnung der Relevanz,
Was die zwei theoretischen Highlights der Platte jedoch praktisch gemein haben, ist allerdings, dass Stockdale beide im jeweils letzten Drittel mit einem erschreckend windschief jaulenden Gesang während schwelgend gemeinter Gesten ruiniert, komplett neben die Spur eiert und damit den Katzenjammer provoziert.
Derartig vielversprechende Stücke nicht zumindest auf Nummer Sicher nach Hause zu spielen, kann man schließlich gerade auf einer derartigen Komfortzonenplatte auch kaum lazy nennen – das ist schlichtweg ein gutes Maß an absolut ärgerlichen Unvermögen.

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