Balthazar – Fever

von am 9. Februar 2019 in Album

Balthazar – Fever

Mit der sinnbildlich spontanen National Geographic-Cover-Wahl für Fever haben sich Balthazar vielleicht keinen Kreativitätspreis verdient – behauptet zumindest Alain Mullet. Macht aber nichts, wenn man so einen eigenständigen Sound wie die Belgier pflegen kann. Diesmal näher am Funk übrigens.

Vor allem wenn Balthazar die hervorstechenden Trademarks um den herrlich lose und gleichzeitig dominant schleppend-schnepfenden Bass auf ihrem mittlerweile vierten Studioalbum, dem ersten seit knapp 4 Jahren und der damit längsten Bandpause bisher, über ihre wohl zugänglichsten und schmissigsten Songs transportieren.
Gleich der smooth stampfende Titelsong entwickelt einen entwaffnend legeren Groove, geht geschmeidig in die Hüften und hat verführerisch weiche „Uhuhuuuu„-Chöre und eine eklektische Gitarre – die kurzzeitig auftauchenden orientalischen Streicher wirken hingegen eher willkürlich platziert. Changes hat mit dunklem Timbre ein latentes The National-Flair und schwoft elegant durch den verraucht funkelnden Club, Whatchu Doin‘ entschleunigt rhythmisch interessant aber ohne Geistesblitz. Das betörende Phone Number schwelgt in einer warm-soften Atmosphäre und die Falsett-Backinggesänge von I’m Never Gonna Let You Down Again zwinkern lässig aus der Ecke, bevor You’re So Real sich im Softrock-Jazzkeller in sexy Posen wirft. Gerade das tolle Wrong Faces (bei dem sich auch die Streicher pointierter einfügen als beim titelstiftenden Opener), das flott zurückblickende Wrong Vibration oder das mit Bläsern pfeifend feiernde Entertainment sind Hits und Ohrwürmer, die auf den Erstkontakt zünden, sich unterhaltsam und durchdacht festsetzen.

Sie alle zeigen auch, dass Balthazar in ihrer Abwesenheit den Fokus vom Indierock weiter Richtung Pop und Funk verschoben haben, auch eine zum R&B und der Disco schielende Tanzbarbeit finden, assoziieren Beck, Tame Impala, Spoon oder sogar die Bee Gees als Referenzen. Entwicklungen, die auch zwangsläufig passieren mussten. Mit Kumpel Dave hat die Band einen Multiinstrumentalisten-Ersatz für die ausgestiegene Violinistin Patricia Vanneste gefunden, die organische Arbeit von Produzent Jasper Maelkelberg spielt Fever zusätzlich in die Karten: Balthazar klingen lockerer und verspielter als bisher, artikulieren eine nonchalante Selbstverständlichkeit in ihren Stücken, die etwas unkompliziert-entspanntes in sich trägt.
Die Soloprojekte der vergangenen Jahre –  Maarten Devoldere als Warhaus, Jinte Deprez als J. Bernardt sowie Bassist Simon Casier unter dem Zimmerman-Banner – schlagen sich also lösend nieder, wirken rückblickend wie ein Freispiel für die Stammformation.

Schade nur, dass nicht alle Songs das Niveau der Highlights halten können und sich mit der latenten stilistischen Gewichtsverlagerung ohnedies eine saloppe Unverbindlichkeit eingeschlichen hat, einige Szenen schlichtweg zu zwanglos flanieren. Dann tauscht die (in ihrer ersten Spielhälfte generell ein klein wenig stärker aufzeigenden) Platte ihre Eingängigkeit doch auch ein wenig zu unverbindlich gegen eine gefällige Nebensächlichkeit, die sich angenehm konsumieren lässt, aber nicht genügend Tiefgang offenbart, um aktiv und langfristig an der Stange halten zu können. Man hat das Wesen des Albums schnell erkundet, begegnet ihm bald eher auf beiläufiger Kumpelhaftigkeit, ohne sich an tatsächlichen Ausfällen stören zu müssen, wenn hier und da einzelne Ideen keine ganzen Kompositionen konsequent genug stemmen wollen – siehe etwa das zerfahrene Roller Coaster.
Am kurzweiligen Spaß, den man (auch gerade deswegen) am Momentum von Fever haben kann ändert dies nur wenig, zumal sich schon jetzt abzeichnet, dass diese Frischzellenkur hier alleine schon den kommenden Liveterminen der Band spannende Impulse geben könnte.

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