Baxter Dury – The Night Chancers

von am 8. April 2020 in Album

Baxter Dury – The Night Chancers

Baxter loves you“: Zwei Jahre nach dem triumphalen Kongress B.E.D arbeitet Mr. Dury auf The Night Chancers wieder vornehmlich im Alleingang an seinem Traum von einer Renaissance zwischen Serge Gainsbourg und Leonard Cohen.

18 Jahre sind vergangen, seit der Sohn von Ian Dury mit dem überragenden Beneath the Underdog seine eigene Karriere eingeleitet hatte. Insofern eröffnet I’m Not Your Dog auf seinem sechsten Studioalbum durchaus selbstreferentiell, doch hat sich seitdem merklich einiges getan. Baxter Dury ist längst zum Connaisseur herangereift, der seine Songs im Geiste des French-Pop mit einer selbstbewussten Haltung eher sprechend als singend, und eher murmelnd als melodisch zu Refrains begleitet, die er von eleganten Ladies bittersüß intonieren lässt.
The Night Chancers bietet seinem Titel entsprechend demfolgend cinematographisches Autorenkino voller starker, trockener Bilder, nutzt abgeklärte Beats, dubbig-angehauchte Gitarren und Streicher für sein Kurzgeschichten-Storytelling voller Schrulligkeiten und Hooks, einer Revue skurriler Figuren, in der Dury als Erzähler mittendrinnen ist und in die abgehalfterten Rollen des nächtlichen Großstadt-Zirkus schlüpft: Lustmolch, Verlierer, Unruhestifter, Melodiesüchtiger.

Nach diesem Muster arbeitet The Night Chancers nun über zehn Songs relativ programmatisch, einzig das gesungene Daylight fällt (nicht nur titeltechnisch, sondern auch stilistisch) aus dem Rahmen, wenn Dury seiner Platte in wehmütig-balladesker The Streets-Manier eigentlich bereits einen idealen Schlußpunkt geboten hätte.
Denn ein bisschen zuviel an gleichförmiger Formelhaftigkeit kommt dann selbst bei kurzweiligen 31 Minuten auf – gerade der Titelsong kann die unterkühlt-aufgekratzte Spannung der Platte nicht halten, Sleep People wird trotz knubbeligem Bass und Saxofon-Solo nur bedingt interessanter.

Abseits davon setzt Dury mit seinen weiblichen Konterparts um Madeleine Hart die Akzente allerdings durchaus kompakt. I’m Not Your Dog blickt französisch auf die 80er im Jetzt, Slumlord bietet die Ästhetik einer entschleunigten Disco, in Zeitlupe aufbrausend gar – die Performance ist im steten Wechsel aus Dialekten und unterschiedlichen Figuren bereits hier ein amüsanter Trip, das abgeklärte Element der Musik und der exzessive Hedonismus der Texte sorgen für eine stete Reibungsfläche und Kontrast. Saliva Hog pflegt einen unterkühlten Groove und spuckt die Freundlichkeiten charmant aus, Samurai taucht tief in das Kopfkino-Ambiente – besser noch macht es später die caharkteristische Stalker-Elegie Carla’s Got A Boyfriend in ihrer verträumten Ikonographie, bevor Hello, I’m Sorry die smarte Dramatik über ihren Rhythmus, die Bläser und den Wechselgesang am Telefon erzeugt.
Wenn das mit 8tel-Noten stampfende Say Nothing mit der Liebesbekundung endet, ist es deswegen auch nicht das Problem, dass Baxter Dury die vierte Wand durchbricht, ohne selbst dabei irgendetwas persönliches von sich preiszugeben, und im Grunde weiterhin „nur“ ein authetisches Darstellen fiktiver Rollen exerziert, als vielmehr, dass The Night Chancers auch hier nicht aus einem strukturellen und inszenatorischem Business as Usual ausbrechen möchte.

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