Beach Bunny – Honeymoon

von am 1. März 2020 in Album

Beach Bunny – Honeymoon

Seit 2015 machen die vom Soloprojekt zum Quartett angewachsenen Beach Bunny über zahlreiche EPs den Mund mit feinem Indierock, Midwest Emo und Powerpop wässrig. Das nun endlich folgende Debütalbum Honeymoon enttäuscht insofern zumindest nicht.

Über den Umweg eines Kurzformates unter eigenem Namen im vergangenen Jahr hat Bandkopf Lili Trifilio all die Vorlaufzeit für ihr Quartett genutzt, um mit den versammelten 25 Minuten ein wenig spektakuläres, aber auch über die kaum Leerlauf beinhaltende Spieldauer andauerndes, passgenau die Erwartungshaltungen stemmendes Kleinod zu versammeln: Gefühltermaßen ist das sympathische, nonchalant aus dem Ärmel geschüttelt wirkende Honeymoon in etwa die unbeschwerte Platte geworden, die Best Coast seit ihrer Frühphase nicht mehr gelingen will, für die Kate Nash seit ihrem Umstieg zu rockigeren Gefilden die Substanz fehlt, und die Courtney Barnett ein gutes Stück weit zu Paramore rückt, ohne deswegen vollends an Relevanz zu verlieren.

Mit den immer bittersüß im Liebes- und Lebenskummer taumelnden Texten ist Honeymoon stets ein bisschen sentimental und immer sonnig, legt eine unbekümmerte Spontanität an den Tag, der frisch aus der Zeit gefallen Klischees nicht vermeiden will, um sie dennoch weitestgehend zu umgehen.
Wenn unkomplizierte Tropen mit einer entwaffnenden Liebenswürdigkeit artikulieren werden können und damit die latente Harmlosigkeit aufwiegen, ist das doch was. In den straighten Momenten funktioniert Honeymoon wie die besseren Platten ihrer zwar tausendmal gehörten, das Rad aber munter antauchenden Art, mit Feinsinns deswegen ohne Altersbeschränkung unterhaltend, lässt die Tage nach dem Erwachsenwerden greifbar werden.

Mit Promises gelingt der Einstieg entsprechend schmissig und catchy, treibt das liebenswerte Melodieverständnis flott zu einem fast energischen Finale, bevor auch Cuffing Season mit Dynamiken und Hooks in der Dringlichkeit umgehen kann, wie einige Nummern knackig auf den Punkt kommt und dennoch die eine oder andere Struktur zu freigiebig wiederholt, während abseits des Momentums bedingt viel hängen bleibt.
Zumindest ist die Gangart der Platte damit definiert, wo Honeymoon diese in weiterer Folge nur noch vage variierend dekliniert. Ms. California schwillt zwar etwas größer an und Colorblind lässt Gitarre verspielter und kräftiger von der Leine, doch spätestens die beiden soliden Standards Dream Boy und Cloud 9 addieren hinten raus im Grunde keine Überraschungen mehr zum MO.

Insgesamt zeigt Honeymoon aber ohnedies am besten auf, wenn Trifilio das Tempo zurücknimmt. April etwa folgt in seiner melancholischen Sehnsucht den Lehren von Real Estate, während die verträumt perlende Nachdenklichkeit von Racetrack einnehmende Akzente setzt – hier wird man nicht nur abgeholt, sondern darf sich auch in das Szenario zurücklegen.  Das aufgeräumt zu den Wurzeln von Beach Bunny vordringende Rearview zeigt dann vielleicht keine unvorhergesehene Entwicklung, aber den befriedigendstem Klimax der Platte, wenn Trifilio alleine und intim an der Gitarre versöhnt, bevor das Finale als kollektive Leistung kraftvoll zupackt. Dass dabei die Vermutung zurückbleibt, dass die Vorzüge Beach Bunny im Single- und EP-Format idealer platziert sein dürften, will kein Streitpunkt werden.

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