Black Rivers – Black Rivers

von am 13. April 2015 in Album

Black Rivers – Black Rivers

Eine verzwickte Hypothek, die man Black Rivers im Grunde kaum negativ auslegen kann, die den 10 versammelten Songs aber doch immer wieder in den Rücken zu fallen droht: Gerade die besten Momente des selbstbetitelten Debütalbums nähren den Wunsch, dass die Williams-Brüder anstelle dieser neuen Spielwiese endlich wieder an einem neuen Doves-Album arbeiten würden.

Vor allem jene Nummern, die besonders nahe an der seit 2010 auf Eis liegenden Band gebaut sind, entfalten nämlich eine geradezu bittersüße Schönheit, die sich eben nicht ohne ein gehöriges Maß an Wehmut goutieren lässt: vor allem das verträumt, folkig-gezupfte ‚Coral Sea‚ etwa, das ganz wunderbar in seine eigene Tiefe eintaucht, das elektronisch angetriebenen, relativ U2eske ‚The Wind That Shakes the Barley‚ oder die feingliedrige Klavier-Verletzlichkeit von ‚Deep Rivers Run Quiet‚ – selbst im atmosphärischen Interlude ‚Beyond the Pines‚ schimmert die DNA der seit beinahe einem halben Jahrzehnt ruhenden Britrocker nostalgisch durch.
Wo die Hoffnung auf ein Doves-Comeback aber mit derart dankenswerten Nummern wie diesen eher schwinden als wachsen wird, offenbart ‚Black Rivers‚ abseits der neuerlichen Bestätigung, dass Doves-Stimme Jimi Godwin der eindeutig bessere Sänger als Jez Williams ist (wohingegen die Zwillingsbrüder sich nun widerum als die kohärenteren, stärkeren Songwriter positionieren), im direkten Vergleich zum im letzten Jahr erschienen ‚Odludek‚ eine gravierende Gemeinsamkeit, die die beiden Projekte des (ehemaligen?) Trios trotz aller unterschiedlicher Endziele eint: Sonderlich viel Interesse sich in eine abgeschotteten Blase zurückzulehnen, die es sich inmitten einer abgesteckten Wohlfühlzone bequem macht, haben weder Goodwin noch Black Rivers – auch den Einstand der Williams-Brüder zieht es stilistisch in zahlreiche Richtungen.

Das locker aus der Hüfte geschüttelte ‚Diamond Days‚ hat so den Charme einer entspannten 60s-Popnummer, irgendwo zwischen Psychedelik, Sommer und den Stone Roses, ‚The Ship‚ beginnt hingegen als potentielle MGMTInterpretation von British Sea Power’s ‚Bear‚, hypnotisiert sich dann aber selbst mit einer Krautrock-Variation von Portishead’s ‚The Rip‚.
The Forest‚ beschwört die Unendlichkeit der Doves in einem weiten Klangraum, die sich letztendlich für Foxygen öffnet und das ganze Britpop-Spektrum bis hin zu Supergrass bedienend knapp vor Tame Impala endet, während ‚Age of Innocence‚ ein angenehm geradlinig rumpelnder Spacerock-Hit mit eng gezogenen Zügeln ist. Auch ‚Voyager 1‚ katapultiert eine immanente Vertrautheit ins Weltall: Der Refrain ist dabei wie die vieles an der Platte erstaunlich verspielt, geradezu ausgelassen, die Williams-Brüder verlieben sich nur zu gerne in die gebastelten Sounds und geben sich diesem konzentriert hin. Aber natürlich: Goodwins Gravitation hätte gerade in Augenblicken wie diesen sicher gut getan.

Wo insofern die stete Gefahr besteht, dass man ‚Black Rivers‚ zumindest auf die ersten Durchgänge  durchaus als Platte der verpassten Möglichkeiten hört – wieviel mehr wäre hier wohl noch möglich gewesen, wären diese Songs in der Dreierkonstallation des Doves-Kosmos verfeinert worden? – legt sich diese Sichtweise immer deutlicher: Die versammelten 40 Minuten entwickeln trotz erkennbarer Nahverwandtschaft(en) als unbeschwert umherstreifende Stilamalgame ihre eigene Identität, auch, weil sie andere Stärken forcieren als die Doves, wenngleich die magischen Momente noch nicht gelingen wollen.
Können Black Rivers in Zukunft vereinzelte Lückenfüller wie etwa das ziellos zwischen Trip Hop-Elementen und Serge Gainsbourg torkelnde ‚Harbour Lights‚ abstellen und den Spannungsbogen über die ganze Albumdauer etwas fokussierter bedienen, sind für die Band der Williams-Brüder die Grenzen also weder als Supportact für Noel Gallagher’s High Flying Birds ausgelotet – und schon gar nicht erfüllen sie nur ihren Zweck als lückenfüllende Überbrückungshilfe bis zum (trotz allem) herbeigesehnten Doves-Comeback.

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