Bon Iver – Volumes: One

von am 12. April 2026 in Livealbum

Bon Iver – Volumes: One

Seit 2020 sichtet Justin Vernon die Archive nach dem idealen Material für eine umfassenden Konzert-Werkschau-Serie über seine Band. Diese startet nun mit Volumes: One (Selections From Music Concerts 2019-2023 Bon Iver 6 Piece Band).

Zeitlich weite Teile der Pandemie-Jahre abgrasend, deckt der erste Teil der Konzert-Werkschau nahtlos ineinander übergehend gemischt (und ergänzt durch den Fan-Favorit Heavenly Father vom Wish I Was Here-Soundtrack, der Single PDLiF sowie dem vom unangenehmen Vocoder bemüht verzogenen Klassiker A Satisfied Mind im Acapella-Gewand) ohne chronologischen Zwang alleine die beiden Alben 22, A Million (mit ein paar wenigen Vertretern) und (dem das Gros stellenden) I, I ab. Also subjektiv die schwächste Phase der womöglich beendeten Bon Iver-Karriere.
Wobei Volumes: One das Potential hat, Skeptiker und Puristen mit diesem Diskografie-Abschnitt zu versöhnen, deuten Justin Vernon und seine Band – Jenn Wasner, Sean Carey, Michael Lewis, Matthew McCaughan sowie Andrew Fitzpatrick – das Studiomaterial auf der Bühne doch meist nicht nur markant um und interpretieren die digitalen verfremdeten Art Pop/ Folktronica-Hybriden organischer, wärmer oder empathischer, sondern erfinden die Stücke bis zu einem überschaubaren Grad sogar zu ihrem Vorteil neu.

Da wandert Man Like U etwa noch weiter in den Soul und in We (mit Bizhiki als Gästen 2019 aufgenommen – also drei Jahre, bevor die Powwow-Musiker ihr Debütalbum vorlegten) werden die Stammesrituale vom im Studio begleitenden Gimmick live überkandidelter als exaltierter kultureller Schmelztiegel im Vordergrund zelebriert. Das Gitarrenspiel von Jelmore nimmt die restliche superbe instrumentale Leistung einer superben Band an der Hand. 666 klingt, als hätte Sufjan Stevens einen jazzigen U2-Song abstrahiert und Hey, Ma bekommt einen tanzbareren Alternative R&B-Beat untergeschoben, während 33 „God“ vom geloopten Sample ausgehend das Schlagzeug wirbeln lässt.
Die in Sh’diah (Boardmix) leitende Pause lässt dann auch die nötige Luft zu atmen und macht Raum für einen wundervollen Epilog, der in 41 Minuten eine kurzweilige Schleife um das toll produziere Volumes: One (Selections From Music Concerts 2019-2023 Bon Iver 6 Piece Band) zieht: ja, das hat bei aller verbliebenen Prätentiösität Herz und Seele.

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