Damian Lewis – Sweet Chaos

von am 20. Juli 2026 in Album

Damian Lewis – Sweet Chaos

Damian Lewis ist seit mittlerweile knapp vier Jahren mit Alison Mosshart liiert – und lässt sich die Chance auf eine Zusammenarbeit mit der The Kills-Frontfrau nicht entgehen. Allerdings erweist er seinem Zweitwerk Sweet Chaos damit einen Bärendienst.


Die eigentliche Crux des Openers No Man’s Land, dem ersten der zwei die Klammer um die Platte liegenden Duette des Paares, liegt aber in der Produktion von Guy Chambers. Der zurückgelehnte Bluesrocker hätte nämlich gern die Coolness von The Kills, ist jedoch bieder und gediegen, und spätestens ab dem catchy Refrain viel zu brav und zivilisiert inszeniert. Alle Instrumente sind zurückhaltend angelegt, um die androgyn schwelgenden Vocals des Protagonisten und seiner schön begleitenden Partnerin nur ja nicht zu übertönen.
Ein solider Einstieg wird so zur bocklangweiligen Geduldsprobe, der eine zurückhaltende Mosshart keine Intensität beibringen will.
Etwas besser gelingt am anderen Ende Fix Me Up, weil der Closer atmosphärischer und stimmungsvoller angesetzt ist. Wenn Mosshart und Lewis das Szenario als energischen Rock aufplatzen lassen wollen, wirkt das aber (gerade an das Ende des Albums platziert) zu willkürlich und mutwillig, und entlässt wie ein Workout, das nicht schwitzen lässt, relativ ratlos.

Dazwischen aber gelingt es Lewis, sein Songwriting auf eine breitere, opulentere Ebene zu heben, während das grundlegend gewachsene Niveau weniger auf einzelne Highlights ausgelegt ist, als das auf Mission Creep von 2023.
Traffic Jam blüht locker und flockig, weicher und behaglich als Acoustic-Flanieren auf, ist eine Bowie-Liebeserklärung durch und durchs, der die optimistische Shins-Niedlichkeit frivol träumen lässt: „Here am I, I’m just sitting in my tin can/ And I’m stuck in another stupid traffic jam/ But all I wanna do is take off all my clothes with you.“ Der Titelsong Sweet Chaos hat dagegen eine in die hohe Lagen steigende beschwingte Dramatik, die ihr elaboriertes Schunkeln bei Meat Loaf gelernt hat und trotz der opulenten Lebendigkeit nicht aus dem Rahmen fällt, derweil King klingt, als hätten gitarrenorientierte Keane einen Songs von Reality aufgenommen: Die strahlende Contenance verzichtet geduldig darauf zu klatschen, nicht aber auf die Aufbruchstimmung.

Leech stampft mit ein bisschen Country-Flair und Stakkato-Vortrag. Der Refrain ist Standard, die Bridge steigt jedoch eindrucksvoll in majestätische Sphären auf: „‚Cause you’re a leech!“ Da ist es schon beinahe egal, dass das folgende Gitarrensolo kein Feuer hat und der arg konventionelle Nummer-Sicher-Abgang langweilt. Runder ist da schon, wie Advent polternd mit Mundharmonika in die Bar stapft, um als eingelassener Anstifter alle abzuholen, die Soulig mitmachen wollen. Question Mark schippert gemütlich und behaglich und gönnt sich unspektakulär eine dezent aufbrausende Bridge, bevor Pentonville Prison die Amplituden wieder verstärkt und den smoothen Funk der Strophe geschmackvoll in das schwelgende Tempo des Chorus umschichtet. Die auf Stimme und Gitarrenspiel reduzierte Ruhepause Grey at the Temple lässt Sweet Chaos dann auch keine grauen Haare wachsen, sondern zu seinem Inneren finden. Diese verspielte Ungezwungenheit wirkt einfach viel authentischer (und erinnerungswürdiger), als die eingangs erwähnten, aufgesetzten Anbiederungen an die lasziven Kompetenzen der Lebensgefährtin.

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