Twisted Teens – Florida Water Blues
Zwar gehen schon Gerüchte über ein im November erscheinen sollendes viertes Twisted Teens-Album namens Holy Cross Tiger herum. Doch konzentrieren wir uns erst einmal darauf, dass Florida Water Blues zumindest bis dahin einen neuen Zenit für die Band aus New Orleans markiert.
Nur rund fünf Monate nach dem allgemeinen Release von Blame the Clown machen Mastermind CPN Hollywell und Lap Steel-Begleiter Razor Ramone im Grunde weiter wie bisher – eine durch das countryeske Cowpunk-Prisma betrachtete Rock’n’Roll-Schnittmenge aus Parquet Courts, Royal Headache, Viagra Boys und Ramones bleibt eine zuverlässige Orientierung, was die Ästhetik des Duos angeht.
Allerdings zeigen Twisted Teens – insofern wieder näher beim selbstbetitelten Debüt sowie der EU EP als beim direkten Vorgänger agierend – eine variablere stilistische Bandbreite im Signature Sound, erzeugen mit dem Quäntchen bittersüßer Melancholie zwischen den Zeilen mehr Vielschichtigkeit und Tiefe, und machen auch inszenatorisch gefühlt einen Schritt nach vorne – wie etwa der Bass gleich in Why Did You Miss It? unter das LoFi-Schrammeln der treibenden Schübe fährt, ist physisch einfach noch greifbarer als bisher.
Vor allem aber ist Florida Water Blues auf ein ausgereifteres, runderes und dynamischeres Songwriting gebaut – nachzuhören etwa, wenn in Concealed Weepin‘ nach dem psychedelisch laufenden Einstieg die Ingredienzien ausgefeilter interagierend können, aber den Simplizismus präferieren, oder Riding als melodisch gefinkeltes Panorama der Sehnsucht durch ein separiertes Outro eine zusätzlich durchatmende Balance forciert.
Denn natürlich haben einen all die Hooks und Melodien gleich wieder am Haken. Doch diesmal fordert die Überfallsartigkeit bisweilen auch mehr Zeit zum Wachsen – der überragende Refrain, den beispielsweise der superbe Titelsong zur Mitte hin wie nebenbei in den gemütlichen Ring wirft, ist symptomatisch für die Grower-statt-Shower-Mentalität vieler Nummern.
Was aus dem qualitativ konstant hochklassigen Ganzen (von dem höchstens Top Of The World Hwy No. 2 dezent redundant abfällt) entlang seiner unterschiedlichen Facetten auch erstmals mehr als die Summe der Teile macht.
Hand Me A Cigarette sitzt kurz bluesig am Feuerschein, wird aber polternd von der nach vorne stampfenden Drum Machine über den Haufen gefahren mit einer latenten Wehmut mitgenommen, die danach auch durch die zeitlosen Classic-Vibes von Swamp weht.
Guided Thunder eilt mit Nonchalance und waviger Synth-Kante, das drückende Ringelspiel Business will dem Willen zur Absurdität mitgesungen werden: „Stay in your lane/ Out of my business/ One old lady/ In my vicinity/ How did such a person/ Lose her virginity/ She got a tongue/ And she knows how to use it/ She’s got power/ All she does is abuse it“.
Denn klar, der Unterhaltungswert wiegt weiterhin schwerer als die Tiefgründigkeit.
Javelina kommt der Sehnsucht von Easy Sevens nahe, auf einem Güterzug, der dem Americana-Sonnenuntergang entgegenzieht. Und eine schunkelnd gecroonte, flehend nachdenkende Old Times-Ballade wie Weather The Season zeigt sogar relativ neue Seiten der Twisted Teens, die vor Florida Water Blues nicht unbedingt denkbar gewesen wäre.
Neue Ufer kommen also in Reichweite, doch geht es vor allem darum, das etablierte Hoheitsgebiet nicht zur bequemen Komfortzone werden zu lassen. Eine Tugend ist insofern, dass selbst ein von der Band schon oft gehörter Standard wie Dancer so unverbrauchten, ansteckenden und schmissigen Spaß macht, oder der Closer Sun Go Down vor dem obligatorischen Experimental-Outro (diesmal: schauernder Folklore-Horror) eine versöhnliche Acoustic-Intimität in Aufbruchstimmung anbietet: „9 lives has the cat/ And the devil has hundreds/ But I think that I only have one/ …/ I’ve seen where the sun goes down/ …/ Time to fly away and go.“ So gut der Moment mit Florida Water Blues also auch ist – weiter geht’s!


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