Boundaries – Yearning: The Unbeautiful After

von am 3. November 2026 in Album

Boundaries – Yearning: The Unbeautiful After

Zwei Jahre nach ihrem Durchbruchswerk Death Is Little More haben (die mittlerweile bei Summerian Records unterschrieben habenden) Boundaries keine Angst davor, der Metalcore-Basis mit Yearning: The Unbeautiful After polarisierendes Spaltpotential vorzusetzen.

Ja, es stimmt: Die komplett atmungsinaktiv zubetonierte Drew Fulk-Produktion, die mit ihrer Vorschlaghammer-Mentalität zentnerschwer im Steroide-Saft stehend die Instrumente indifferent verschwimmen lässt, erschlägt. Gnadenlos. Sie setzt auf pure Brachialität, ausstelle jedweder Nuancen oder Raffinessen, ist sauberer und größer überzogen zur reinen Gewalttat aufgeblasen, bisweilen selbst an aktuellen Trends gemessen ein generisch polierter Fleischwolf aus heftigsten Mosh-Geknüppel, ballerndem Beatdown-Attacken, voluminösen Bass-Drops und eingestreuten Samples (Evidence of Extenction gönnt sich sogar digitale Glitches), der über Kopfhörer konsumiert regelrecht wehtun kann.
Yearning: The Unbeautiful After legt dergestalt ein Auftreten an den Tag, das weiten Teilen der Fan-Basis im wahrsten Sinne massiv aufstößt, zumindest aber stark ambivalente Reaktionen hervorruft. Verständlicherweise.

Tatsächlich steht diese Inszenierung Boundaries subjektiv gesehen aber wirklich exzellent. Alleine deswegen, weil es den Fokus – der aktuellen Entwicklung von Counterparts grundlegend gar nicht so unähnlich – auf die harte, rückhaltlose Brutalität lenkt.
Gerade der Einstieg von Yearning: The Unbeautiful After gehört mit seiner mitbrüllbaren Call-And-Response-Walze Malconscience und der catchy Panik Skies Cast Amber Black zum Besten, was die Band aus Connecticut bisher aufgenommen hat. Wobei das Viertwerk auch danach noch brachial nachlegt. Egal ob alleine (wie im straighter-punkigen Unequal Whole) oder mit Gästen, die manische Impulse setzen: Torn Wide Open mit Make Them Suffer dreht den unberechenbaren Wahnsinn mit wilder Hysterie auf links, faucht besonders angepisst, prügelt, growlt und tackert, bis ein ätherischer Ambient-Pop-Ausklang den Clusterfuck ohne Rücksicht auf Verluste zusammenschnürt, bevor Crowned And Crucified mit Landon Tewers dieselbe Radikalität an den Tag legt.

Das Problem der Platte ist jedoch, dass dieser Bulldozer-Mentalität die kontrastierenden melodischen Gesang-Parts – bisher ja ein wirklich gut bis absolut tolerierbar in den Sound der Band eingearbeitetes Stilmittel – geradezu kontraproduktiv schaden.
Schon wie die zur Hochphase von Funeral for a Friend bolzende Emo-Theatralik von May This Pain Never Leave die Brechstange ansetzt ist gar zu bemüht konstruiert, The Leper’s Bell ist diesbezüglich noch anstrengender. Death Will Follow Me gibt sich besser dosiert und auch Nothing, Gathered, Only Endless und das abschließende Titelstück gehen für sich schon okay, laufen aber der archaischen Natur des Albums gar zu formelhaft konstruiert zuwider.
Diese mittlerweile nicht mehr organisch im Songwriting gewachsen scheinenden, sondern unnatürlich an den Haaren herbeigezogen wirkende Szenen auf Biegen und Brechen in die Radikalität zu pferchen, macht ein ohnedies zu langes Album gerade hinten raus beinahe zu einer Übersättigenden Angelegenheit. Was die angestammte Fan-Basis aber nicht weiter aufzuregen scheint.

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