Burial – Subtemple

von am 27. Mai 2017 in EP

Burial – Subtemple

Nach der so ernüchternden Young Death / Nightmarked-EP am Ende des Vorjahres findet William Emmanuel Bevan zu einer neuen Form der Konsistenz zurück, wirft nun aber auch mit Subtemple mehr Fragen auf, als er beantwortet. Quo Vadis, Burial?

Angesichts der überraschend kurzen Zeitspanne zwischen Young Death / Nightmarked und Subtemple lässt sich durchaus darüber mutmaßen, ob nicht zuletzt auch Burial selbst verstanden hat, dass angesichts des zum Jahresabschluss 2016 veröffentlichten Vorgängers Handlungsbedarf bestand. Immerhin: Die Perspektiven waren ohne gravierende Nachhaltigkeit angesichts einer mal unentschlossen, mal penetrant in der eigenen Komfortzone mäandernden EP durchaus verschoben, anvisierte neuen Grenzen blieben vage umrissen bloße Andeutung.
Subtemple setzt den Hebel im Burial-Hohheitsgebiet insofern genau dort durchaus markant an, löst Strukturen nun weitestgehend auf, und führt das elektronische Dubstep-Amalgam mit einer zuletzt vermissten Konsequenz hinein in den reinen Ambient.

Der titelspendende Track beginnt da mit dem typischen Vinylknistern des mysteriösen Londoners, entwickelt sich aber zu einem frei schwebenden weißen Rauschen in den Abgrund. Uhrwerkartig klickernd und klackert da so subtil wie detailliert eine verstörend-entrückte Nostalgie, seltsam beruhigend und elegisch. Dem Raum zwischen dem Sounddesign wird ebenso viel Platz eingeräumt, wie den sphärischen Impulsen, die sich als Loop ohne Geistesblitz erweisen.  Field Recordings und narrative Samples flechten sich dagegen sorgsam in das Geschehen, machen aus Subtemple beinahe schon ein Hörspiel – sicher aber einen imaginativen Score, der sich irgendwo in den Gefilden zwischen Mica Levi und Boards of Canada bewegen könnte.

Das gespenstisch entrückte Beachfires erforscht diese Gefilde sogar noch ergiebiger, und entfernt sich damit bisweilen endgültig aus den bisher konventionellen Arbeitsbereichen Burials. In Schüben kommend sind da beschwörende Synthiewellen, geisterhaften Phantom-Chören gleich, die sich vollends dem Zelebrieren der intensiven Atmosphäre hingeben. Das hat etwas majestätisches, mystisches. Sakral und ätherisch verwebt die Transzendenz hier entschleunigte, niemals gänzlich greifbar verschwimmenden Nuancen zu einem unterbewusst faszinierend Ganzen. Und ja, Burial denkt hier seinen Sound endgültig weiter, entfernt jedwede Beats nahezu vollends, arbeitet simplizistischer und braucht deswegen auch mehr Zeit, um in seinen hypnotischen Bann zu ziehen – kommt abseits davon aber noch nicht restlos an.

Der Track bewegt sich nämlich genau genommen nirgendwohin, sondern erwacht irgendwann einfach leise aus einem um sich selbst drehenden Traum. Als befände sich Burial momentan eher auf einer verschwommenen Odysee, denn auf einer zielstrebigen Reise. Wozu Beachfires (genauso wie schon Subtemples zuvor) im Grunde jede Berechtigung hat: Das ist stimmungstechnisch schließlich extrem dicht und atmosphärisch ohne Ende, aber inhaltlich doch auch noch ein wenig zu unkonkret und vage – worin natürlich andererseits auch gerade wieder die Stärke dieser Gangart liegt.
Doch entfaltet sich der Charakter von Burial hier einerseits weniger originär, als auf seinen vorangegangenen Platten, und kann durch die zurückgenommene Inszenierung im falschen Moment doch auch ein Gefühl der Langeweile evozieren: Substanziell werden hier nur wenige vorhandene Ideen ausgedehnt und mit Copy/Paste-Ausstrahlung aneinander gereiht, anstatt Szenen zu vertiefen. Das ist im Ansatz mediativ einnehmend und evoziert einen gewissen Sog, findet aber über seine lange Spielzeit ein wenig frustrierend nicht zum Punkt. Wie ein Mysterium, das keine Auflösung erfährt, sondern sich in seiner Metaphorik erschöpft.
Womit die 18 Minuten der Platte nicht nur die Frage aufwerfen, wohin dieser Evolutionsschritt Burial zukünftig hinführen könnte, sondern knapp zehn Jahre nach dem Langspieler-Meisterwerk Untrue auch die These unterstützt, dass Bevans alter Ego mittlerweile doch wieder im Albumkontext noch besser funktionieren könnte – also mit der Möglichkeit, über mehr Tracks dynamischere Wechselspiele in den Strukturen zu erwirken oder mit einer ausführlicheren Länge seine Stärken nicht nur anzureißen. Man wird sehen.

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