Cardinals – Masquerade

von am 13. April 2026 in Album

Cardinals – Masquerade

Nein, Masquerade ist kein Werk von The Cardinals. Aber dass da ein paar verdammt vielversprechende Jungspunde aus Cork mittlerweile unter dem praktisch selben Namen wie Ryan Adams‘ ehemalige Gang unterwegs sind, weiß mit ja seit einer selbstbetitelten ersten EP 2024.

Oder spätestens, seit die halbe Tracklist dem Debüt als Singles vorweggaloppiert ist, und demonstrierte, dass mit diesen im Körper einer Folk-Band steckenden Indie Rockern zu rechnen sein müsste, in denen die Herzen slackerhafter Celtic Punks mit Akkordeon schlagen und die dabei ein bisschen so klingen, als wären Phantom Planet im Pub aufwachsen und hätten in ihre Saddle Creek-Sammlung ein paar Platten von den Decemberists, Fontaines D.C., Opus Kink oder Flogging Molly geschummelt.
Stilistisch vermeintliche Distanzen, die das Sextett jedoch nicht nur in ein stimmiges Artwork verpackt („Das Cover für das Album stammt von dem Gemälde Fristeren von Oda Sønderland, einer in Oslo ansässigen Künstlerin, die wir alle schon sehr lange bewundern. Meiner Meinung nach spiegelt das Gemälde das Album wunderschön wider. Die Kontraste von Blau und Rot, die Themen, die wir evoziert haben, von Kälte, Wärme, Intimität, Einsamkeit, Liebe und Lieblosigkeit, passen wie Puzzleteile in Masquerade für uns.“) sondern auch in einen runden Sound übersetzt, der dem Eklektizismus durchaus einen eigenen Charakter abringen kann – und so gerade in der erste Albumhälfte rundum tolle Songs erzeugt.

Das aus der Schwerfälligkeit Anlauf nehmende She Makes Me Real ist ein toller Opener und etabliert den Kniff der Cardinals, auf die Bremse für ein taumelndes Innehalten zu steigen – siehe auch I Like You, das niedergeschlagen zur gut akzentuierten (niemals als Gimmick eingesetzten) Ziehharmonika schwoft, um sich von wohlig-ruppig wirbelnden Impulsen herzlich aufrütteln zu lassen, oder das nonchalante nach vorne ziehende Barbed Wire.
Das catchy schunkelnde St. Agnes ist auch so ein rumpelnder Ohrwurm und das Titelstück melancholisch wogend, derweil Over at Last mit postpunkiger Attitüde scheppert, mit seiner Wildheit nicht die Intimität ausschließt und die Bridge ihren in sich gehenden Elias Bender Rønnenfelt finden zu lassen. Eigentlich simpel, jedoch niemals banal oder sich selbst limitierend einengend. Einfach ein bisschen heißblütig in einer oft kalten Welt.

Weswegen es auch kein Beinbruch ist, dass Masquerade danach ein bisschen nachlässt.
Anhedonia tritt dennoch direkter auf das Gaspedal und Big Empty Heart zappelt hibbelig sinnierend im Hafen, auf wogenden Krawall und potentiell gar Noise gebürstet. Wie exzessiv all das hier live von der Hand gehen könnte, stellt die Platte allerdings höchstens in Aussicht und entschließt sich im Studio eher für die Kompaktheit von kurzweiligen 33 Minuten.
In The Burning of Cork fackeln die Jungs ihre Heimatstadt insofern einfach in unter zwei Minuten mit sardonischer Liebenswürdigkeit ab, bevor As I Breathe die betont energische zweite Albumhälfte lange Zeit reduziert schwelgend einfängt, um einem Ausbruch entgegenzustürmen, der sich ohne naheliegende Explosion zurückzieht. Auch das passt zu einem Debüt, das die wirklich herausragenden Momente und Genieblitze erst für seinen Nachfolger verspricht – bis dahin aber einfach alles sehr, sehr gut macht.

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